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3 (1839) Dritter Band. Eag-Fut / bearbeitet von einem Vereine von Landwirthen und Gelehrten, herausgegeben von F. Kirchhof
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Flattergras --- Flockenblume.

Flittergras, Zittergras, gemeines, Wiesenflittergras(vrira Media), ein ausdauerndes Futtergras, das im Mai und Juniblüht und Juli und August reift. Es findet sich auf trocknen Wiesen, gra-sigen Plätzen der Wälder und Haine und auf Tristen. Die etwas krie-chende Wurzel treibt bis 2 F. hohe Halme; die schmalen Blätter sind über-all rauh, die lockern Rispen ausgebreitet, und die fadenförmigen Aeste sind3mal 2gabelig; die 5 bis 9 blüthigen Aehrchen hangen an äußerst zarten,haarförmigen Stielchen, und haben dabei immer eine zitternde Bewegung;der runde Same ist von den Spelzen bedeckt. Dieses sehr schöne und nied- >liche Gras ist dem Rindvieh, den Schafen und Pferden angenehm, dieSchweine jedoch sollen es vermeiden. Es nimmt mit schlechtem Boden ver-lieb, und wäre allenfalls für Schafweiden, übrigens aber wegen seiner Zart-heit wohl nicht zum Anbau, ob es gleich auf gutem Boden viele saftigeBlatter giebt, und eins der vorherrschenden Gräser auf den Wiesen der Eng-länder sein soll. Man hat berechnet, daß es auf den berl. Morgen 18 bis21 Ctr. Heu giebt, je nachdem es in der Blüthe oder in der Samrnreisezum Trocknen gemäht wird.

Flockenblume (Lontaürea ), eine sehr reichhaltige Gattung, vonder viele Arten auf den Feldern, aber auch viele als Zierpflanzen vonden verschiedensten Farben in Blumengärten vorkommen. Als erstere sindzu bemerken: a) die blaue Kornblume (6oaiaures e;aous), eineein ährige, sehr bekannte, auf Aeckern unter der Saat, besonders auf denKornfeldern wildwachsende Pflanze mit blauen Blumen; doch findet manauch Abarten mit gelben, rosenrothen und purpurfarbigen Blumen. Unterdem Getreide ist diese Pflanze ein lästiges Unkraut, gilt aber als ein ange- »nehmes Futter für Schuft, so wie sie auch das Rindvieh frißt, wenn sievor der Samenreift ausgejätet wird; die Schweine fressen diese Pflanze eben- ifalls, wenn sie noch ganz jung ist. Der ausgepreßte Saft der Blumengiebt mit etwas Alaun eine schöne hellblaue Malerfarbe, die von Säurenroth, von Laugensalz grün wird. Sonst kommen die blauen Blüthen auchzur Färbung von Flüssigkeiten. Man färbt z. B. mit dem frischen oderauch etwas welk gewordenen Blumen Essig, den man darüber ziehen läßt,roth, oder fügt den ausgequetschten Saft der Blumen zu Syrupen, diedadurch blau werden. Die mittlern Blumenblättchen geben ein dunkleresBlau, als die äußern. b) Die Feldflockenblume (6. seabios»),große wilde Scabiose, eine perennirende Pflanze auf Wiesen, Triften, Feld-rändern in bergigen Gegenden, mit großen purpurrothen Blumen, die ein-zeln am Ende der Stengel und Aeste auf langen kahlen Stielen stehen.Man hat auch Abarten mit weißen Blumen und weißgefranzten Kelchschup-pen. Sie ist eine Weidepflanze für Schafe; die ganze Pflanze färbt, frischund getrocknet, gelb und auch olivengrün. o) Die gemeine Flocken-blume (6. faos»), ebenfalls perennirend auf Wiesen und Tristen mitpurpurrothen, einzelnen, endständigen Blumen. Sie gehört mit zu den Pflan-zen, welche die Schaft bei freier Wahl aufsuchen; für das Rindvieh dientsie wohl nur unter dem Heu mit als Nahrung. Das Kraut färbt wolleneZeuge und Seide, wenn sie mit Alaun vorbereitet worden sind, schön hoch-gelb, so dauerhaft, wie Scharte. Als Rabatten- und Glashausgewächsesind unter andern zu bemerken: die Bergflockenblume, mit schönenhimmelblauen Blumen; die aschgraue Flockenblume mit purpurrothenBlumen; die waidblättrige Flockenblume mit goldgelben Blumen;