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Forst.
getrieben werden muß, nach dem Alter, das es alsdann haben wird, zu be-rechnen. Indessen muß jedoch hierbei auf die mögliche Unvollkommcnheitdes erst zu erziehenden Bestandes, so wie auch darauf Rücksicht genommenwerden, daß z. B. 20 jährige Samenstämmchen aus den Morgen nicht soviel Holz liefern, als ebenso alte Stockausschläge in vollkommenen Bestän-den. Ist aber der Holzbestand schon zu weit herangewachsen, als daß diedazwischen liegenden Blößen mit gutem Erfolge jetzt noch cultivirt werde»können, so muß ihre Flachengröße vom bestandenen Theile abgezogen werden,um zu finden, von wie vielen Morgen, beim nächsten Abtriebe des Bestan-des, Ertrag berechnet werden kann. Die Kultur der Blößen wird dannaber bis zum nächsten Abtriebe des jetzigen Bestandes ausgeloht. — Soll nunein ganzer Niederwaldforst taxirt werden, so muffen dazu, wie bei denHochwaldungen, die nöthigen Vorarbeiten gemacht sein, so wie auch einTaxationsplan entworfen werden muß, nach welchem alle Holzbestände ab-geschätzt und die speciellen Taxalionsergebniffe zusammengestellt werden, umdas Hauptergebniß zu finden. Vor der Taxation eines Niederwaldsorstesist zu bestimmen: 1) wie lange der Umtrieb dauern soll. Die Dauer derUmtriebszeit hängt davon ab, ob man starkes oder geringes Knüppelholz,oder nur starkes oder geringes Reiserholz zu erziehen beabsichtigt. Beistarkem Knüppelholze ist, nach Beschaffenheit des Bodens und der Holzgat-tung, ein 24- bis 30jähriger Umtrieb nöthig; für geringes Knüppelholz reichtaber oft ein 18- bis 24jähriger Umtrieb hin; so wie für starkes Reiserholz12 bis 15 Jahre, und für geringes Reiserholz 9 bis 12 Jahre genügen.Die Holzbestände werden dann in den beiden ersten Fällen von 6 zu 6 Jah-ren, oder von 5 zu 5 Jahren, in den beiden letzten Fällen aber von 3 zu3 Jahren classisicirt, um das Verhältniß des jetzigen HolzbcstandeS übersehenund beurtheilen zu können. 2) Ob gar kein Oberholz im Niederwald« er-zogen werden soll, oder ob, und wie viele geringe Stämme auf dem Mor-gen, zu Wagner- oder Stellmachecholz, zu erziehen man beabsichtigt. Ge-wöhnlich werden in den Niederwaldungen geringe Stämme einzeln erzogen,deren Alter, bei 15- bis 30 jährigem Umtrieb da§ Doppelte der Umtriebs-zeit beträgt. Wenn dergleichen Reidel nicht nahe beisammen stehen, undgehörig ausgeästet werden, so hindern sie den Wuchs des Unterholzes nicht,oder doch unbedeutend und gewähren einen annehmlichen Ertrag. Manläßt daher bei einem 30jährigen Umtriebe des Unterholzes auf den Morgen18 bis 20 Reidel, und bei einem 18- bis 24jährigen 20 bis 36 Stangenbeim jedesmaligen Abtriebe des Niederwaldes, in gleicher Vertheilung, biszum nächsten Abtriebe stehen. In manchen Gegenden treibt man aber,auf eine unvortheilhafle Weise, die Niederwaldungen ganz kahl ab. 3) Lbman nach irregulären Flächen wirthschaften will, oder ob man fest gezeich-nete reguläre Jahcesschläge vorzieht. In bisher willkührlich benutzten M-dcrwaldungen findet man die Holzbestände in Rücksicht auf Flächengroß«der Altersklassen gewöhnlich nicht im gehörigen Verhältnisse; aber auch dieBeschaffenheit der Bestände und des Bodens, worauf sie stehen, sind oft stverschieden, daß Flächen von sehr abweichender Größe alljährlich abgeholztwerden müssen, um einen gleichen Holzertrag zu haben. Verlangt man da-her während der ersten Umtriebszeit eine gleiche jährliche Holzbenutzung, stkönnen die Jahresschläge weder gleich sein, noch in sonst einem bestimm-ten Verhältnisse stehen. Letzteres kann nur alsdann geschehen, wenn dieganze Waldflächc gut bestanden iß, welches gewöhnlich erst beim zweiten