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XVIII. Jahrhundert.
Rousseau,
Jean Jacques Rousseau, geboren zu Genf den 28. Juni 1712, warder jüngere Sohn eines Uhrmachers. Schon in seinem sechsten Jahre hatteer in Gesellschaft seines Vaters eine Menge Romane gelesen; doch fielen ihmbald auch gute Bücher in die Hände, und im achten Jahre wusste er denPlutarcli beinahe auswendig. Vom neunten bis zum vierzehnten Jahre wurdeer von einem Landgeistlichen erzogen; dann kam er zu einem Kunststecher(Graveur) in die Lehre, dessen Härte ihn veranlasste zu entfliehen. Er irrtein dem benachbarten Savoyen herum, und kam, durch die Empfehlung eineskatholischen Geistlichen, in das Haus der Frau von Warens in Annecy.Nachdem er zweimal die Religion gewechselt, sich in Frankreich und Italienumhergetrieben, durch einige Abhandlungen und eine kleine Oper: Le devindu village, sich Lob und Tadel zugezogen hatte, zog er sich nach Mont-morency zurück. In dieser glücklichen Einsamkeit schrieb er: 1) Le contratsocial, 2) Le nouvelle Ileloi'se, und 3) Emile ou de Veducation; durch welcheWerke er mächtig auf sein Zeitalter eingewirkt hat. Das letztere Werk zogihm viele Verfolgungen zu, welche ihn zuletzt bewogen, einer Einladung desenglischen Philosophen Hume zu folgen, der ihn nach England mitnahm.Dort blieb er aber nicht lange. Er kehrte nach Frankreich zurück, und be-schloss 1778 in Ermenonville, wo der Marquis von Girardin ihm sein Land-haus an geboten hatte, sein grämliches Dasein. Schwärmerischer Enthusias-mus für Liebe und Freiheit, Paradoxensucht, egoistischer Starrsinn, warmerEifer für Menschenwohl mit düsterer Hypochondrie verbunden, waren Haupt-züge seines Charakters. Rousseau’s Gebeine wurden den 11. October 1794feierlich im Pantheon zu Paris beigesetzt, und im Jahr 1828 ward auch inGenf, seiner Vaterstadt, die ihn 66 Jahre vorher ächtete, seinem Andenkenein ehrenvolles Denkmal errichtet. Seine Confessions , aus denen hier einAbschnitt folgt, zeichnen sich ebenso sehr durch den Stil, als die Tiefe undZartheit der Empfindung aus.
Sejour aux Charmettes.
Profitant du degoüt que je trouvai a maman 1 pour la ville, je luiproposai de l’abandonner tout ä fait, et de nous etablir dans une soli—tude agreable, dans quelque petite inaison assez eloignee pour derouterles importuns. Elle l’eüt fait, et ce parti que son bon ange et le mienme suggeraient, nous eüt vraisemblablement assure des jours heureuxet tranquilles, jusqu’au moment oü la mort devait nous separer. Maiscet etat n’etait pas celui oü nous etions appeles. Maman devait eprou-ver toutes les peines de l’indigence et du mal-etre, apres avoir passesa vie dans l’abondance, pour la lui faire quitter avec moins de regret;
1 So heisst Rousseau die Frau von Warens.