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ceinte der Rückzug nach der Stadt abgeschnitten. So geschah es,daß die Stadtwälle an mehreren Orten erstiegen und die schwacheBesatzung — ohnehin mit Ausreißern gemischt — in des FeindesHände fielen.
Das Wasser-Fort Hielt sich bis gegen Morgen, wo endlichdie 500 österreichischen Gefangenen die Thüre sprengten und dieBesatzung zur Übergabe nöthigten. (Scydel III. 457bis 467.)
5. Übersatt der Festung Mannheim 1799.
Die französische Armee am Mittelrhein sollte sich der Festun-gen Mannheim und Philippsburg bemächtigen.
General Ney wurde beauftragt, über die Vcrthcidigungs-fähigkeit derselben Erkundigungen einzuziehen. Als Bauer vewkleidet, kam er glücklich nach Mannheim und erreichte seine» Zweck.Beim Weggehen gewahrte er eine Frau in der Vorstadt, welchejeden Augenblick ihre Niederkunft erwartete, und erfuhr, daß manihr versprochen habe, die Zugbrücke niederzulassen, wenn sie inder Nacht ärztlicher Hülfe bedürfe. Ney war entschlossen, diesenUmstand zu einem Überfall zu benutzen, eilte zurück, suchte sich150 Freiwillige aus, kam unbemerkt in der Vorstadt an und ver-barg sich dort. Die Frau wurde sorgfältig beobachtet, und alsnach Mitternacht der Arzt gerufen wurde, drang Ney mit seinenFreiwilligen plötzlich über die Zugbrücke in die Festung, derenBesatzung bald das Gewehr streckte. So fiel Mannheim in fran-zösische Hände. (W. v. d. Lühe. Art. Ney 142.)
Der Überfall des Forts Uitermeer 1787 lehrt, wie sich dieGarnison nie aus das bloße Vorhandensein einer Wache verlasse»müsse, ohne diese streng zu controliren, und daß der Verschluß derEingänge auch am Tage nicht offen und unbeachtet bleiben dürfe.
Die Überrumpelung der Citadelle der Festung Morella beweist,daß selbst Felsen, welche für unersteiglich gelten, einer sorgsamenBewachung bedürfen.
Der Überfall von Herzogenbusch 1814, und von Schwcidnitz1761 zeigen, wie Indolenz und Fahrlässigkeit der Garnison denFall starker Festungen herbeiführen, und der Fall von Schweid-nitz bethätigt namentlich, wie Indolenz in der Regel auf Un-kenntniß beruht.