Buch 
Der Dienst der Infanterie bei der Vertheidigung der Festungen gegen den gewaltsamen Angriff / bearbeitet durch W. v. Kamptz
Entstehung
Seite
17
JPEG-Download
 

17

Der Überfall von Mannheim 1799 beweist endlich, daß diealten Kriegslisten noch immer eine Rolle spielen, nnd keineswegesdurch Wiederholung so abgenutzt sind, wie sogenannte genialeSchriftsteller wohl behaupten möchten.

Wenden wir uns hierauf zu den kriegsgeschichtlichen Bei-spielen der

k. Mißglückte Überfälle.

Nicht jeder Überfall glückt. Vielmehr ist der Überfall schonhäufig bei seinem Beginn abgeschlagen worden, indem er an derWachsamkeit oder an der Unerschrockenheit der Garnison scheiterte.

Zuweilen hat der Überfall aber auch den Charakter der Über-raschung in so hobem Maaße getragen, daß es dem Feinde gelang,in das Innere des Platzes einzudringen, und nur der Widerstandeinzelner Wachtposten und weniger geschlossener Truppen, welchesich schnell raillirt hatten, gab der Garnison Zeit und Gelegen-heit, sich vollends zu sammeln und mit vereinter Kraft den ein-gedrungenen Feind wieder aus der Festung zu werfen.

Für die erste Kategorie abgeschlagener Überfälle mögen nach-stehende Beispiele hier Platz finden:

1) der Überfall auf Douay 1711,

2) der Überfall auf das Fort Penamünde 1758,

3) Versuch einer Leiter-Ersteigung der Festung Cosel 1760,

4) der Überfall auf Bitsch 1793,

5) der Überfall auf Breslau 1806,

6) Überfall auf Murviedro (Sagunt) 1811.

l. Der Überfall auf Douay 1711.

Während Marlborough 1711 Bouchain belagerte, warVil-lars bemüht, den Verbündeten jeden möglichen Schaden zuzufügen.

In aller Stille ließ er einst in der Nacht fünfzig Wagen mitBöten und Sturmleitern aufbringen, um Douay, nur schwachbesetzt, zu überrumpeln.

Alles ging ruhig und erwünscht von statten. Mit dem erstenGrauen des Tages liefen die Böte über eine Überschwemmung inden Graben der Festungswerke ein, während ein anderer Haufemit Sturmleitern und Brechzeugen, bis an eine vorgezeichnetePforte vorgerückt, mit ihnen zugleich zum Sturm schreiten wollte.

2