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Der unglückliche Ausgang dieser Unternehmung führte zu demEntschlüsse einer förmlichen Belagerung, wozu Alles in Bereitschaftgesetzt und welche dann in der Nacht vom 5. zum 6. Octoberbegonnen wurde. (Archiv 14ter Band psg. 204.)
Die Überfälle auf Douay 1711, auf Penamünder Schanze1758 und 1806 auf Breslau zeigen, daß Wachsamkeit und Pflicht-treue einer einzelnen Schildwache und das entschlossene Beneh-men eines einzelnen Wacht-Commandanten ausreichend waren,den Besitz fester Plätze zu sichern. Der Überfall auf Cosel 1760lehrt, wie aufmerksam die Garnison alle Schritte des Feindesbeachten, wie vorsichtig sie bleiben müsse, wenn auch das ersteUnternehmen des Feindes mißlang.
Der Überfall auf Bitsch 1793 und auf Murviedro 1811 leh-ren endlich, wie leicht der mißglückte Überfall in Sturm übergeht.
Wenden wir uns hierauf zu der zweiten Kategorie der Überfälle:
Gelingt auch der Überfall so weit, daß der Feind in die Festungeindringt, so ist noch nicht Alles verloren. Eine wohl disciplinirteGarnison wird Gelegenheit finden, sich schnell zu sammeln und denFeind mit Entschlossenheit wieder aus dem Platze herauswerfen.
Das beweisen folgende Thatsachen:
1) der Überfall von Cremona 1702,
2) des Brückenkopfes von Kehl 1796,
3) der von Saragossa 1808,
1) der von Bergen-op-Zoom 1814.
I. Der Überfall auf Cremona 1762.
Während des spanischen Erbfolgekrieges hatten zu Ende desJahres 1701 die in Italien einander gegenüber stehenden fran-zösischen und alliirten Truppen die Winterquartiere bezogen; jedochbenutzte Prinz Eugen von Savoyen seine Übermacht, um zurBlockade von Mantua zu schreiten, und faßte deshalb den Ent-schluß, das mit einer Besatzung von 14 Bataillons und 12 Schwa-drons (in Summa mit 8000 Mann) französischer Truppen ver-sehene wohl befestigte Cremona durch Überfall fortzunehmen.
Am 1. Februar 1702 wurde das Unternehmen ausgeführt.Durch Einverständniß mit mehreren Einwohnern gelangten 300