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Der Dienst der Infanterie bei der Vertheidigung der Festungen gegen den gewaltsamen Angriff / bearbeitet durch W. v. Kamptz
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2. Der Überfall auf den Brückenkopf von Kehl 179k.

Am 18. September 1796, des Morgens um 3 Uhr, hattesich der österreichische General Petrasch des Brückenkopfes vonKehl durch Überfall mit 3 Bataillonen und 2 Escadrons bemäch-tigt, und die französische Besatzung floh in großer Unordnungüber die Schiffsbrücke nach Straßburg.

Dessen ungeachtet gelang es dem französischen General Scher!um 7 Uhr, den Österreichern das Fort wieder zu entreißen, undsie erlitten auf ihrem Rückzüge bedeutenden Verlust, als der fran-zösische General Moulins über die Schiffsbrücke von Straßburgmit einem Bataillon zu Hülse kam, das er aus in der Eile be-waffneten Handwerkern der Artillerie-Werkstätten und den Natio-nalgarden der Stadt formirt hatte. Den beiden österreichischenAngriffs-Colonncn waren nämlich im Gefecht des Überfalles dieAnführer getödtet worden, sie hatten sich gänzlich aufgelöst undsich in Kehl der Plünderung und dem Trunke überlassen, undNiemand hatte daran gedacht, die Schiffbrücke nach Straßburgzu zerstören oder wenigstens sie zu besetzen.

Erzherzog Carl war später genöthigt, den Brückenkopf vonKehl vom 30. November 1796 bis 10. Januar 1797 förmlichzu belagern.

3. Der Überfall auf Saragossa 1898.

In der ersten Vertheidigung von Saragossa des Jahres 1808am 16. Juni wurden die Spanier nach geringem Widerständeaus dem Olivenwäldchen vertrieben, und die Franzosen nahtensich um die Mittagszeit dem Thore del Carmen in der Hoffnung,durch einen Handstreich in den Besitz der Stadt zu kommen.Sie wurden mit Kartätschen empfangen; doch gelang es mehrerenAbtheilungen, theils durch das Thor, theils über die Stadtmauerneinzudringen. Alles schien verloren! Aber die hcldenmüthigenAragonicr wankten nicht. Die Besatzungen der Thore und derStadtmauer, obgleich in den Rücken genommen, fuhren fort, sichzu vertheidigen, ja sogar die Angriffe der später folgenden feind-lichen Colonnen zurückzuschlagen.

Die Eingedrungenen konnten nicht unterstützt werden, sie unter-lagen in dem wüthenden Kampfe, der sich in den Gassen undHäusern entspann. Ohne Leitung dauerte das Gefecht bis Abends