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Von der anderen Seite der Stadt bemächtigten sich die Fran-zosen gleichfalls der bereits von den Österreichern besetzten Thoreund Wälle wieder, während der Kampf im Innern der Stadt,auf den Straßen und Plätzen noch mit abwechselndem Glück wogte.
Unter diesen kritischen Verhältnissen hing die Entscheidung augen-scheinlich davon ab, ob es dem außerhalb des Platzes operirendenPrinzen Vaudement gelungen war, die Brückenschanze jenseitsdes Po zu nehmen, den Übergang über diese Brücke zu erzwingenund sich des Po-Thores zu bemächtigen.
Er war zu diesem Unternehmen mit 3000 Mann detachirtworden und bei Forensda über den Po gegangen.
Mein seine Colonnen hatten in der Dunkelheit den Weg ver-fehlt, waren zu spät vor der Brückenschanze eingetroffen und diefranzösische Besatzung dieses Werkes hatte sich nach kurzem Gefechtaus der Schanze gezogen, aber ihren Rückzug durch Zerstörungder Brücke über den Po gesichert.
Ein zweiter Versuch, von Innen her in den Besitz des Po-Thores zu gelangen, zu welchem eine starke Abtheilung Grenadiereunter Oberst Baron Freyberg beordert war, wurde aber vonden Franzosen kräftig zurückgewiesen. Die französische Thorwachebestand (nach Seydel IV. paß. 386) aus 1 Capitain mit 35Mann, welche unter einer Pallisadirung den Zugang aus derStadt an das Thor sperrte.
Vergebens blieb alles Bemühen der Grenadiere, die Wachezu überwinden, sie mußten zurückweichen, nachdem der Tod desFührers in ihren Reihen Unordnung erzeugt hatte.
So trug eine einfache Absperrung der Thorwache gegen dieStadt wesentlich dazu bei, daß die in Cremona AngedrungenenFeinde sich nicht behaupten konnten.
Das Gefecht war nun ununterbrochen bis 4 Uhr Nachmittagsmit Erbitterung und großem Verlust von beiden Seiten geführtworden, ohne eine Entscheidung herbeizuführen, und da PrinzEugen befürchten mußte, von dem französischen General Crequiabgeschnitten zu werden, welcher nur wenige Meilen von Cre-mona stand, so befahl er den Rückzug aus der Stadt, der mitgroßer Ordnung durch das Margarethen-Thor erfolgte.