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Der Dienst der Infanterie bei der Vertheidigung der Festungen gegen den gewaltsamen Angriff / bearbeitet durch W. v. Kamptz
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Der gute Geist der Einwohner in einer Festung gehört zuden Elementen, welche wesentlich für die Dauer der Vertheidigungmitwirken können. Ist es möglich, denselben zu beleben und zuerhalten, so wird eine moralische Wechselwirkung zwischen Ein-wohner und Garnison eintreten, welche vermögend ist, den Muthund die Ausdauer der Garnison zu erhöhen.

Daß die Bürgerschaft kräftigen Antheil an der Vertheidigunggenommen, steht aber in der neueren Zeit immer noch vereinzeltals eine rühmliche Ausnahme in der Kriegsgeschichte da. JederSoldat wird gern Gelegenheit nehmen, die aufopfernde Treuerühmend anzuerkennen, welche Colbergs Bürgerschaft bei allenVertheidigungen unserm Königlichen Hause, welche die Bürgerschaftvon Olmütz 1758 und die Fischerzunft zu Nieuport 1793 ihremHerrscherhause bewahrten.

Gewöhnlich bestehen aber die Besitzer von Häusern, Fabrikenund Läden mit ihrem Patriotismus selten die Probe der Bombenund wirken in der Regel mit allen Kräften und Mitteln auf dieÜbergabe des Platzes hin.

In Breslau drängten 1757 Einwohner, Zünfte und Pöbelauf die Übergabe, (v. Schöning 75.)

Hat der Commandant Veranlassung, der Einwohnerschaft zumißtrauen, so muß er bei Zeiten alle Mittel anwenden, jedemAufruhr vorzubeugen.

In Prag hatte General-Lieutenant v. Einsiede! 1744 eineBatterie von 4 schweren Kanonen und 2 Mortieren auf der klei-nen Seite an der Moldau auswerfen lassen, um die Bürgerschaftim Zaume zu halten, (v. Schöning I. pog. 348.)

In dem blockirten Stettin ließ der französische Commandant,General Grandeau, am 15. März 1813 auf den öffentlichenPlätzen der Stadt 6 Stück mit Kartätschen geladene Kanonenauffahren, um den Einwohnern jede Lust zu einer Revolte zubenehmen, (v. Bon in psg. 510.)

Nächst der Erhaltung der Ruhe und Sicherheit im Innernder Festung hat die Hauptwache auch die Verpflichtung, denZutritt der Einwohner in die Festungswerke und zuden im Dienst befindlichen Truppen zu hindern.