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Nicht allein, daß dergleichen Besuche die Aufmerksamkeit derim Dienst befindlichen Mannschaft ablenken und Untersteckereienund Verrath begünstigen, sondern auch, weil sie die Unbefugtender Gefahr aussetzen, verwundet oder getödtet zu werden.
Wo daher in Festungen noch alte Stadtmauern hinter denErdwällen vorhanden sind, müssen diese sorgfältig erhalten werden.
Kann man sich nicht unbedingt auf den Patriotismus derEinwohner verlassen, so schützen dergleichen alte Stadtmauerngegen Überfall und Verrath, der im Innern der Stadt brütet.
Überdies behindern sie die Ausbreitung des Feindes, wenner fleh durch Überfall oder Sturm in den Besitz einzelner Liniengesetzt hat.
e. Die Sewarhung der Gefangenen.
Rücksichtlich der Gefangenen muß es Grundsatz sein, Kriegs-gefangene in Grenzfestungcn nie unterzubringen, sonst kann esleicht wie 1761 in Schweidnitz ergehen, wo die 500 österreichischenGefangenen im Wasserfort die Thüren sprengten und die preu-ßische Besatzung, welche dieses Fort tapfer vertheidigte, zur Über-gabe zwangen.
In welchem Maße jede Festung durch Kriegsgefangene gefähr-det werden kann, das bezeugt die beabsichtigte Überrumpelungvon Cüstrin am 5. Juli 1762 durch die dort sitzenden österrei-chischen Kriegsgefangenen.
Da die Stadt durch das russische Bombardement 1758 völligeingeäschert war, so war die nur 550 Mann starke Garnison zujener Zeit noch in den Vorstädten einquartiert, an deren Aufbauman arbeitete, und die sämmtlichen Kriegsgefangenen, 4900 Mannan der Zahl, waren in den Casematten der Festung untergebracht.
Achthundert Croaten benutzten diesen Umstand, und als desMorgens früh ihre Casematten geöffnet wurden, um sie auf dieBauplätze zu führen, überfielen sie die Hauptwache, entwaffnetendie Thorwachen und befanden sich in Zeit von einer Viertelstundeim Besitz der Festung.
Ein Hause besetzte die Thore, ein anderer machte die Geschützeschußunfähig, und ein dritter wollte Munition aus einem Pulver-Magazin herbeiholen, da die wenigen Patronen, welche auf denWachen gefunden wurden, zur Neige gingen.
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