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das Land endlich säubern und die französische Armee vor Unfällensichern sollte, nachdem selbst der französische Marschall Victors*)von den nach Colberg eilenden ranzionirten Soldaten (Artillerie-Unterofficier Schmidt) aufgehoben worden war.
Ebenso hatte Lieutenant Fabe das Amtsschloß in der 9^ Mei-len von Colberg entfernten Stadt Naugard befestigt und schlug dreiStürme der Franzosen ab. Erst mit dem vierten Sturme fiel esin Feindes Hand, und der «Moniteur« verkündigte: «daß dieFestung Naugard mit Sturm genommen sei«, obschon diepreußische Besatzung unter Artillerie-Lieutenant Fabe in Summanur aus 4k Mann nebst 2 Stück 3-pfündigen Geschützen bestand.
Die Recognoscirungen der Festung gegen den Feind werdendurch dergleichen vorgeschobene Posten außerordentlich begünstigt;sie müssen, von der Festung selbst ausgehend, sich mindestens biszu den Wegepunkten (Fluß-Übergängen, Defileen) und Terrain-punkten erstrecken, welche der Feind bei seinem Anmarsch noth-wendig passiren muß.
Derartige Recognoscirungen werden im offenen Terrain vor-zugsweise durch die Festungs - Cavallerie ausgeführt.
Schill drang 1807 von Colberg bis nach Stargard undnach Damm, dem Brückenkopf vor Stettin, vor.
Der Wirkungskreis, bis zu welchem die Bewachung des Vor-terrains durch Detachements oder Patrouillen ausgedehnt werdenmuß, darf nicht auf wenige Meilen beschränkt sein, und dasVertrauen auf vorgeschickte Patrouillen darf die Wachsamkeit derGarnison durchaus nicht schwächen, da es sich ereignen kann, daßsolche Patrouillen dem Feinde in die Hände fallen, ohne einenSchuß zu thun.
So hatte General von Guasco als Commandant von Erfurtim Winter 1759 seine Patrouillen nur 2 Meilen weit vorge-schoben, auch nie controliren lassen, ob sie ihren Dienst pflicht-getreu betrieben, da er wegen der schlechten Wege im rauhenThüringer Wald sich gegen den Anmarsch der preußischen Truppenvollkommen gesichert wähnte.
*) Gegen den Marschall Victor wurde bekanntlich General v. Blücherausgewechselt.