101
Inzwischen hatte der österreichische General Luczinsky mitseinen leichten Truppen die Reichs - Armee verstärkt und den Platzauch auf dem bisher noch freien rechten Elb-Ufer eingeschlossen.
Sich gegen Rückenfeuer und Ausfälle nunmehr sicher wäh-nend, unternahm Prinz Stollberg noch zwei Mal den Sturmvergeblich auf die noch in Bruchstücken liegenden Festungswerkevon Torgau. Das letzte Mal unternahm Oberst v. Wolfers-dorff wieder im entscheidenden Augenblick mit 400 Mann ausdem Schlosse überraschend einen Ausfall, kam den Stürmendenin die Flanke und bewirkte abermals Unordnung und Rückzugderselben.
Bis bierher hatte Oberst v. Wolfersdorsf den Platz, denman nicht eine Festung nennen konnte, mit unerschütterlichemHeldenmuth vertheidigt; nach so viel wiederholten Angriffen warihm aber die Munition ausgegangen, obschon man sich schon derKugeln aus Zinn bedient hatte.
Den angreifenden Truppen ging es glücklicherweise nicht vielbesser, woher man beiderseits vorläufig einen Waffenstillstand schloß.
Es kam nun zu Unterhandlungen, und Oberst v. Wolfers-dorff ward freier Abzug feiner Truppen mit allem in Torgaubefindlichen Geschütz zugestanden, wie auch, daß Überläufer zurReichs-Armee nicht angenommen werden sollten.
Am 15. August früh 8 Uhr zog die preußische Besatzung mitklingendem Spiel aus, und Prinz Stollberg, General Klefeldund ein starkes Gefolge nahmen den Auszug in Augenschein. Alsdas preußische Bataillon »Grollmann« ankam, das viele Aus-länder hatte, rief ein Adjutant des Prinzen: »Wer ein Sachseist, ein Kaiserlicher, ein Neichskind, der trete aus, Seine Durch-laucht geben ihm Schutz!«
Da lief fast das ganze Bataillon aus einander; aber Oberstv. Wolfersdorsf ließ sofort seine übrigen Truppen Halt undzum Feuern fertig machen, drohte den Prinzen mit seinem Ge-folge gefangen zu nehmen und wieder die Festungswerke zu be-setzen, und ließ durch seine Husaren und Jäger die aus denGliedern getretenen Ausreißer niederhauen und niederschießen.
Der Lärmen hatte den österreichischen General Luczinsky