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Der Dienst der Infanterie bei der Vertheidigung der Festungen gegen den gewaltsamen Angriff / bearbeitet durch W. v. Kamptz
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das Dach verzehrt sei. Das Geschrei unserer Soldaten erwieder-ten sie deshalb durch ein eben so lebhaftes Gcwehrfeuer, »nährenddessen die beiden Hornisten nicht einen Augenblick aufhörten, krie-gerische Märsche zu blasen.

In diesem Augenblick kam der Bataillons-Chef George,welcher die Nachricht von dem Gefecht erst 3^ Uhr Nachmittagsin Elision erhalten hatte, mit einer neuen Verstärkung an. Erbefahl sogleich den Sturm, und die Soldaten stürzten, einer denandern überbietend, gegen das Schloß los.

Diesmal drangen sie bis zu den Thüren des Schlosses unddie Sappeure fingen an, dieselben einzubrechen.

Die Chefs der Chouans befahlen hierauf denen, welche sichim Erdgeschoß befanden, in die obere Etage hinaufzusteigen, und,während die Sappeure die Thüren durchbrachen und einschlugen,unterhielt eine Hälfte der Belagerten das Gewehrfeuer, die anderebrach die den Mauern zunächst gelegenen Theile der Fußbödender oberen Etage auf, so daß in dem Augenblick, wo die Sol-daten in das Innere des Schlosses eindringen wollten, sie miteinem heftigen Gewehrfeuer, unmittelbar aus den Mündungender Gewehre, die durch die Zwischenräume der Dielungen undDeckbalken durchgesteckt waren, empfangen wurden. Sie wurdendadurch gezwungen, sich zurückzuziehen.

Die Chouans begleiteten diesen Rückzug durch ein heftigesGewehrfeuer, durch eine Verdoppelung ihrer Hornmusik und durchden Ruf: «Es lebe Heinrich V.«

Der Bataillons-Chef George befahl, das Erdgeschoß gleich-falls anzuzünden. Demzufolge rückten die Soldaten mit brennen-den Fackeln und trockenem Holze vor und warfen diese Brennstoffedurch die Fenster in das Innere des Schlosses.

Nach 10 Minuten brannte das Feuer den Chouans unterden Füßen und über den Köpfen, und es schien daher unmöglich,daß sie dem Tode entgehen konnten, so daß das Gewehrfeuer,welches sie keinen Augenblick unterbrachen, als die letzte Racheder Verzweiflung zu betrachten war.

Ihre Lage war in der That fürchterlich. Das Feuer hatte dieBalken erreicht, ein erstickender Rauch hatte alle Gemächer erfülltund drang aus allen Fenstern hervor. Die Besatzung hatte daher