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Praktische Grundsätze zur höheren taktischen Führung der Reiterei nebst geschichtlichen Angaben / von Franz Strenner
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IX
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muß. Wenn wir diese Behauptung als unumstößlich annehmen kön-nen, so erstreckt sich jener Anspruch auf die intelligente Führungaller Waffen, und somit auch auf die der Reiterei, der wir unsereBetrachtung ausschließlich in unserm Werke widmen.

Sicher sind bei der jetzigen Kriegführung ganz vollständigeSiege, ohne einer gut und zweckmäßig organisirten und verwendetenReiterei, schwer, und durch Vernachlässigung dieser Waffe ein wich-tiges Mittel für schnellere Entscheidung eines Krieges verloren. a )

Allgemein anerkannt ist die Nothwendigkeit, auch im Friedendie Reiterei stehend zu haben, da sie zu den Offensivmitteln einesStaates gehört, denn sie setzt eine sorgfältige Bildung voraus, diebeim Ausbruch eines Krieges nicht mehr so statt finden kann. DasVerhältniß der schweren Reiterei zur leichten in einem Staate mußsich wohl nach der Beschaffenheit, den Hilfsquellen des Landes undder Eignung der Einwohner zur schweren oder leichten Reiterei rich-ten. Man muß schon im Frieden die wahren Mittel gefunden haben,damit die Reiterei ihre Bestimmung im Kriege erfüllen kann. Intelli-gente Organisatoren, Männer, die nicht von Eigensinn befangen,oder jedem Fortschritte gram sind, werden in der rationellen Ele-mentar-Abrichtung und in zweckmäßiger Bewaffnung ohne Zweifelden richtigen Tact treffen, sie zum erfolgreichen Gebrauch im Gebieteder angewandten Taktik heranzubilden.

Der Geist, welcher diese Waffe beseelen muß, geht dann vomObergeneral der Reiterei aus, was bei den Hauptregeln für diesennäher beleuchtet werden wird.

Befände sich die Reiterei in dem Vortheilhaftesten äußern Zu-stande, würde für sie Alles gethan, um sie in jeder Beziehung alsPomp-Soldaten hinzustellen, so wird ihr dennoch Alles fehlen,wenn sie nicht von dem Geiste beseelt ist, der besonders bei dieserWaffe herrschen soll.

a ) SDiontecucuIi würdigte schon die Vorzüge der Reiterei: »Ist die Reitereiüberwunden.« sagt er, »so ist meistens die Schlacht verloren, ist sie glücklich,so ist der Sieg vollständig.«