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Praktische Grundsätze zur höheren taktischen Führung der Reiterei nebst geschichtlichen Angaben / von Franz Strenner
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Der Geist ist es, weicher die kleinste Schaar jeder Truppe zurunbesiegbaren Legion macht, ohne ihn zersplittert sich das zahl-reichste Heer oft in zwecklose Haufen.

Es wäre erfreulich, wenn wir bei so großer Würdigung derReiterei und ihres Wirkens alter und neuer Zeit, einen Reitereiführergefunden hätten, welcher in der Art den Geist dieser Waffe so zubeseelen und zu führen gewußt hätte, wie wir den General der Reitereian der Spitze dieser Waffe nach unserer Ansicht aufgestellt wünschen.

Erst im siebenjährigen Krieg, kann man mit Recht sagen, stelltsich eine Verwendung der Reiterei im Großen heraus. Der-preußi-schen Reiterei, geführt von dem bis jetzt unübertroffenen GeneralSeydlitz, verdankte Friedrich der Große seine meisten Siege.Diese Waffe erreichte in den ersten Feldzügen eine Stufe der höchstenVollkommenheit und einen Glanz, welcher in der Geschichte einzigund unerreicht da steht, und das höchste Vorbild für einen Gene-ral der Reiterei bleiben wird. In allen Armeen fehlte es, bis zumdeutschen Befreiungskriege, an einem so strahlenden Talente einesGeneralen der Reiterei, bis Napoleon, den Mangel fühlend, großeMassen Reiterei siegend zu bewegen, seinen Murat an ihre Spitzestellte, der sie, ohne besonders instruirt zu sein, mit großem Erfolgzu verwenden wußte.

Seydlitz war schon darum ein Genie, weil er sich nicht aufeine einzige taktische Form beschränkte, sondern, für jedes Gefechts-verhältniß, die denselben angemessene wählte. Er hielt die größteGeschwindigkeit der Reiterei in allen Bewegungen für eine Haupt-regel. In seinen Entschlüssen auf dem Schlachtselde war er blitz-schnell, und unterschied schon zu jener Zeit das herrschende Parade-wesen von dem im Kriege wahren Nothwendigen.

An diesen General der Reiterei waren die bedeutenden Siegeder preußischen Reiterei gefesselt. Unter ihm erschien die Reitereinicht paffiv, sondern als die thätigste Mitwirkung zum vollständi-gen Siege, die mit unwiderstehlicher Gewalt vor sich her zerstörte.Er hielt stets eine Masse beisammen, und wußte die Momente mitKühnheit und Vorsicht richtig zu treffen.