XI
Seydlitz lehrte die Reiterei nicht allein den Gebrauch derWaffen, sondern er lehrte sie auch die Manöver des Fußvolkes aus-führen; seinem Talente schien nichts zu schwer, nichts unmöglich. 8 )
Auch Carl XII., der Schwedenkönig, war zwar kein gebil-deter General, allein er verband mit einem hohen militärischenSinn einen rastlosen kriegerischen Charakter, der nur vorwärtsdrang, und ihm in der Geschichte, als einem der kühnsten Anführerder Reiterei damaliger Zeit, den gebührenden Platz anweist.
Seine Reiterei bestand fast nur in Dragonern; er warf alleSchutzwaffen bei Seite, und benützte sie, ohne Verbindung mit an-dern Waffen, nur im Vertrauen aus sich selbst und seine Reiterei,die kein Hinderniß bei ihren Angriffen kannte.
Wenn zu einem General der Reiterei, der große Waffen nachden besten taktischen Regeln zu bewegen versteht, nichts weiter alsbrausende Tapferkeit und glückliche Erfolge von selbst geführtenReitereiangriffen gehören, so wäre Carl XII. der größte Reiterge-neral aller Zeiten. Aber ungeachtet (wie oben erwähnt) dieser Kö-nig kein wisienschaftlich gebildeter Feldherr war, so beschäftigte ersich doch besonders mit seiner Reiterei, lehrte sie mit besondererSchnelligkeit Evolutionen ausführen und verfaßte für sie ein neuesExercir-Reglement.
Seine Reiterei erhob er im nordischen Kriege zu einer bedeutenden Furchtbarkeit. *)
a ) Hätten die Verbündeten im Befreiungskriege 1813 und 1814 ihre zahlreicheReiterei unter den Befehl eines so fähigen Generals stellen können, so kannman behaupten, daß durch ihr kräftiges Wirken viele folgende Kämpfe mitMenschenverlust erspart worden wären.
*) Graf Bismark sagt: »Dieserritterlich denkende König hatte einen rastlos krie-gerifchen Charakter, der seine Reiterei, ohne alle Verbindung mit andern Waf-fen , im Vertrauen auf sich selbst und ohne zu feuern, der feindlichen Reite-rei im vollen Carriere en Choc entgegenstürmte, und eben so gegen Fußvolk,gegen Verschanzungen und Batterien immer mit großem Erfolg führte. Erwußte daß durch die Schnelligkeit der Bewegung die natürliche Lebhaftigkeitder Mehrzahl der Menschen erhöht, oft bis zur blinden Raserei und tollküh-»en Begeisterung gesteigert, keine Zeit zum Ueberlegen, zum Erwägen der Ge-