XIV
Beinahe in allen Armeen hat man in neuerer Zeit in der Be-kleidung des Reiters, Zäumung und Sattlung der Pferde, in dereinzelnen Dressur, in theoretischer, selbst in praktischer Ausbildungund Ablichtung des Mannes, auf dem Exercirplatze, ohne Zweifel,bedeutende, recht schön anschauliche Fortschritte gemacht, es erschei-nen zur Hilfe ein Ueberfluß von schriftlichen Anleitungen und rast-losen Auszügen aus Reglements; allein vom höheren taktischenStandpunkte aus betrachtet, ob mit allen dem der Zweck taktischerVollkommenheit vor dem'Feinde erreicht ist, hierauf, scheint uns,wurde wenig Bedacht genommen.
Diese Mangel taktischer Unvollkommenheit wieder nur in derDetail-Organisation der Reiterei zu suchen und zu besprechen, wäreein alt erneuerter Mißgriff.
Eben so unrichtig ist es für die angewandte Taktik, ob in einer0(11-8 de Bataille, selbst in der kurzen Zeit, die oft nur bis zurSchlacht übrig bleibt, alte oder junge Leute an den Feind geführtwerden.
Tapfere, erfahrene Soldaten, gemischt mit kräftigen, voll Ta-pferkeitsdurst begeisterten, jungen Soldaten, haben noch immer dasbeste Material zu großen taktischen Zwecken abgegeben.
Die alte Garde Napoleons war eben so brav, wie seinejunge Garde.
So wie die österreichischen und preußischen alten Reiter-Regi-menter eben so tapfer waren, als die jungen erst angeworbenenReiter, welche sogleich, ohne weitläufige Schulkünste, sich so bravherumschlugen, wie die ältesten Soldaten. Man führe sie nur allegut und behandle sie eben so.
Es darf also, wie gesagt, bei Errichtung von Reiterei das Haupt-augenmerk nicht ausschließlich aus Bewaffnung und Bekleidung ge-richtet sein, weil die schönstadjustirte und bestberittenste Reiterei ohnetaktische Verwendbarkeit, unter unfähiger Führung, erst nur einlahmes Material bleibt.
Nun man aber bei einigen Armeen, ernstlich wie es scheint,daran geht, die versäumte Taktik der Reiterei mit den übrigen Was-