Band 
[Siebenter und achter Band.]
Seite
53
JPEG-Download
 

53

alle Kanonen, glaubte ich, wären auf mich gerichtet. Ich sahin jedem Vorbeigehenden — ärger als Rousseau auf seinenSpaziergängen — nur einen Spion, der meine Ankunft derPolizei anzeigen werde. Ich ging nicht, nein, ich zittertevon weitem meiner Chaise nach, die ich Bastian allein über-ließ auf die Post zu bringen und bespannen zu lassen — aberdie Gasse dahin wollte kein Ende nehmen. Indem stürzteein Trupp Matrosen, denen man es deutlich ansah, daß siesich so wenig um mich, als um die ganze Welt bekümmerten,mir aus einer Taverne in den Weg. Sie schwenkten ihrerunden Hüte und jauchzten einmal über das andere mitstammelnder Zunge: „Es lebe Katharina die Zweite!" DerName dieser großen Frau fiel mir kaum in die Ohren, sovergaß ich Kammerdiener und Wagen, und überließ michblindlings dem Auge meines dunkeln aber mächtigen Antrau-ens. Ich schloß mich dicht an die lustige Bande an, undso oft ich mich bemerkt glaubte, schwenkte auch ich meinenHut und mischte herzhaft mein Vivat in das ihrige. Sotaumelte ich in ihrer Gesellschaft zwei Straßen durch bis vordie Stadt an den Hafen, wo sie auf einmal Halt machten.Eine schöne, gebietende Gestalt stand vor ihnen, dämpftemit einem Wink ihr tobendes Geschrei und wies sie auf dasSchiff, von welchem der Name ihrer Monarchin in goldenenBuchstaben mir über die Wellen entgegenglänzte, und demsie sogleich auf einem Boote zurnderten.