Band 
[Siebenter und achter Band.]
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alle barmherzigen Bruder, mein theuerster St. Sauveur. Nurmit zitternden Händen konnte ich den Brief wieder aufheben,küßte und legte ihn mehrmal in seine alten Brüche, ehe ichihn aus einander schlug und mich andächtig genug gestimmtfühlte, ihn zu lesen.

Welche Bewunderung hat er mir nicht seitdem schon ab-genöthiget, in welches Entzücken mich versetzt und wie vielsüße Thränen der Dankbarkeit meinen Augen entlockt. Ichschreibe dir ihn nicht ab, lieber Eduard, nicht bloß deßhalb,weil er für die Kürze der mir zugemessenen Zeit zu lang,sondern auch, weil dieß Meisterstück an Schönheit des Ver-trags, wahrer und doch schonender Freundschaft, mein armesTagebuch gar zu sehr in Schatten stellen würde.

Wenn wir nach unserer frohen Zusammenkunft uns ersteinige Abende hindurch an diesem matt gelesen — der leiden-schaftlichen Sophistereien — der bösen Beispiele und derschlüpfrigen Bilder, die es hier und da enthält, genug habenund unsere Herzen welk fühlen; dann wollen wir uns derErgießungen dieser reinen Quelle, dieser edeln, großenund fühlenden Seele, als eines stärkenden Labetrnnks nachvielen erschlaffenden schwülen Tagen, mit desto innigererWollust freuen und ohne den Schreiber, der jene nur allzu-treuen Gemälde einer unsittlichen Welt abstahl, in die Höllezu verdammen, dem frohen, festen Sinn seines gutmüthigenTadlers für Tugend und Menschenwürde, vorzüglich aber dengeheimen verschlungenen Wegen nachspüren, die ihn zu dem