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In Thun erwarteten wir ein elegantes Städt-chen voll schöner reinlicher Häuser und Straßen zu se-hen, ein Bern im Kleinen. Als wir aber in den en<gen unförmlichen Gassen unter den überstürzendenHäusern herumgingen, meinten wir immer die rechteHauptstraße noch nicht getroffen zu haben, bis wirdie ganze Stadt durchlaufen hatten, und endlich un-sers Irrthums gewahr wurden. Wir fanden, daßThun in Ansehung der baulichen Beschaffenheit soweit unter unsrer Vaterstadt als in Ansehung derschönen Lage darüber sey. Vermuthlich liegt auch inder Kleinheit dieser Stadt der wahre Grund, warumdas durch die Revolution zu einem eignen Canton er-hobene Oberland, ungeachtet der lockenden neuen Frey-heit und Gleichheit, sich nachher lieber wieder mitBern vereinigen, als Thun länger zur Hauptstadt ha-ben wollte. Das Städtchen war dem Bauer zu nahe,zu unerheblich und zu klein, als daß er daraus seineGesetze nnd Gebote empfangen wollte; auch stachenihre ländlichen Negicrungsglieder doch noch zu auf-fallend von dem städtischen Wesen und der weiter fort-geschrittenen Bildung der Einwohner ab, und dieserUnterschied fiel den Bauern an jedem Marktage undbey jeder Audienz (wie man in der Schweiz Gc-schästsbesuche bey Magistratspersonen nennt) zu sehrauf, als daß sie ihn ohne Verdruß hätten wahrneh-men können; da hingegen in Bern , wo ihnen nunauch ein gewisser Antheil an der Regierung vcrspro-