Buch 
4 (1828) Briefe aus dem bernerischen Oberlande : ; Tagebuch einer Reise nach München ; Berg-, Land- und Seereise / Ulrich Hegner
Entstehung
Seite
150
JPEG-Download
 

noch den Kopf voll Saus und Draus hasten. Sie ?verschwanden aber mit dem Abend, und hinterließenuns die uneinladcnden Ucberblcibscl ihres Gelages.

Da wir, um dem Lärm im Posthause zu entgc-hcn, in dem Orte hcrumirrten, so lang es Tag war,so wollte man uns ein großes Zuchthaus weisen, dashier veranstaltet ist; wir lehnten es aber ab. So einZnchtzwang ist eben so wenig ein Gegenstand behag-lichcr Anschauung als die Zuchtlosigkeit der Saufgelage.Ich mag die Menschen nicht sehen, denen das Recht-thun muß eingeprügclt werden; lernen von ihnen kannich auch nichts, denn für die Physiognomik habe ichein zu schwaches Gesicht, und für die betastende Schä-dcllehre ein zu ekles Gefühl. Zudem fanden sich, we-nigstens ehedem, in deutschen Zuchthäusern arme Aus-reißer, die blos deßwegen, weil sie dein Blutvergießen,wozu sie keine Lust hatten, entlaufen waren, als Schel-men uud Spitzbuben behandelt wurden; oder hunge-rige Wildschützen, die dem Landcsvater einen Bratenweggeschossen hatten; und, ihren dürftigen Haushal-tungen entrissen, jahrelang auf Buße und Arbeit ge-setzt wurden; diesen möchte man helfen und kann nicht.Auch kann ich mir das Anstarren und Ausforschennicht anders als beschwerlich für die Züchtlinge den-ken, warum sollte ich aber einem Leidenden seinenKummer vermehren? — Aus ähnlichen Gründen