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§. 1. Breitengradmessungen.
Eratosthenes (geb. 276 v. Cb.) führte die erste Grad-messung zwischen Syene und Alexandrien durch Messungvon Sonnenhöhen aus, und fand den Umfang der kugel-förmigen Erde = 5813 geogr. Meilen. Eine zweite Mes-sung unternahm später Posidonius zwischen Alexandrienund Rhodus, indem er Sternhöhen beobachtete. Die An-gaben über das von ihm gefundene Resultat weichen aberab; nach der einen soll er den Umfang der Erde = 5580,nach der anderen = 4187 geogr. Meilen gefunden haben.Ptolemäus nimmt das letztere an.
In den nun folgenden Zeiten der Barbarei ging aberdie Kenntniss von der Kugelgestalt der Erde völlig wiederverloren; eB konnte daher um so weniger von der Bestim-mung ihrer Grösse die Rede sein. Allein gleich nach demMittelalter, mit dem Wiederaufblühen der Wissenschaftenzu Anfang des löten Jahrhunderts, tauchte auch die Fragenach der Grösse der Erde sogleich w-ieder auf, nachdemsie mit der griechischen Cultur und den alexandrinisclienGelehrten vom Schauplatz verschwunden', und seit Era-tosthenes und Posidonius anderthalb Jahrtausende geruhthatte.
Die Geschichte hat von jener Zeit bis zu der Grad-messung des französischen Arztes und Mathematikers Fer-nei (1525) nur von einem einzigen Versuche zu berichten,den die Araber unter dem Kalifen Al Mamura (827 n. Ch.)in den Ebenen von Sinjar am arabischen Meerbusen ge-macht haben, dessen Resultate aber verloren gegangen sind.
Die Methoden, die Entfernungen zu bestimmen, warenbei den ersten Gradmessungen sehr verschieden und sehrunvollkommen.
Die Griechen benutzten dazu die Angaben der Kara-wanen, die in gewissem Sinne mit unseren Postcoursenverglichen werden können, an Genauigkeit denselben aberwohl kaum gleichzustellen sind. Fernei mass die Längeseines Grades zwischen Paris und Amiens durch die Um-