§. 1. Breitengradmessungen.
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hatte, wie überall, so auch in Gotha einen panischenSchrecken verbreitet, der die Besorgniss erregte, dass Frank-reich die Neutralität wohl nicht so leicht anerkennen möchte,als es von Preussen geschehen war. Das Geheimeraths-Collegium suchte daher jeden Vorwand zu entfernen, denNapoleon zur Anschuldigung benntzen könnte, als ob Gothasich nicht völlig neutral benommen habe. Bei dieser Ge-legenheit kam es zur Sprache, dass die auf dem Seebergezur Bezeichnung der Endpunkte der Basis eingemauertenKanonen als verborgenes Kriegsmaterial angesehen werdenkönnten. — Der Unglücksgedanke fasste Feuer — manschickte Arbeiter aus und liess die Kanonen herausreissen.— Der Herr v. Lindenau, damaliger Direktor der Stern-warte, später Minister in Dresden, hat zwar gleich daraufdie Wiederherstellung des südlichen Endpunktes versucht,allein sie hat sich später als unsicher und unbrauchbar er-wiesen. .
Neben den vorzugsweise wissenschaftlichen Unterneh-mungen, hatte unter dem ersten Kaiserreich, das Be-dürfniss guter Karten, noch ausgedehnte Triangulationen inFrankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden undHolland hervorgerufen, die von Offizieren des französischenIngenieur-Geographen-Corps ausgeführt wurden, nachdemsie auf der Pariser Ecole polytechnique eine ausgezeichnetemathematische, und in der Ecole spdciale de Gdodösie etde Topographie eine gründliche praktische Bildung erhaltenhatten. Ich nenne hier nur die bekanntesten Namen:Krayenhoff, Tranchot, Delcros, Brousseaud, Bonne, Henriu. s. w., die alle, mit Ausnahme des letzteren, dem mehr-fach Ungründlichkeit zur Last gelegt wird, ihren Ruf alsgute Geodäten bewährt haben.
Nach dem Sturze Napoleon I. mag es zunächst wohldas anerkannte praktische Bedürfniss nach guten Kartengewesen sein, das unter dem Kaiserreich eine hohe Geltungerlangt hatte, welches den Hauptimpuls zu neuen und