§. 1. Breitengmdmessungen.
13
alte La Caille’sche Messung und erweiterte dieselbe übermehrere Breitengrade.
Deutschland, von dem bis dahin auf diesem Gebietekaum die Bede war, hatte mit der errungenen politischenFreiheit auch seine geistige Kraft und Spannung wie durchZauberschlag wiedergewonnen, und eroberte bald eine sei-ner würdige Stellung.
In München baute Keichenbach seit 1804 die ausge-zeichnetesten Theodoliten und astronomischen Instrumenteund Frauenhofer überbot mit seinen Fernrohren und Lin-sen die besten Werkstätten des Auslandes.
In Hannover trat Gauss an die Spitze einer Gradmes-sung, bereicherte die Theorie mit wichtigen Sätzen überdie gekrümmten Oberflächen, erweiterte die Praxis durchdie Anwendung der Methode der kleinsten Quadrate aufgeodätische Messungen und erfand 1821 den Heliotropen.
In Holstein und Dänemark leitete Schumacher eineneue Gradmessung und zeigte sich erfinderisch in der Construction der Instrumente und in Königsberg lehrte Besseldie allgemeine Auflösung der spbäroidischen Dreiecke.
So hatte Deutschland sich in wenigen Jahren in Tech-nik und Theorie selbstständig und unabhängig gemacht undbis zur Spitze der Wissenschaft emporgeschwungen: es ar-beitete mit einheimischen Instrumenten und berechnete dieBeobachtungen nach den Vorschriften vaterländischer Ge-lehrten.
In anderen deutschen Staaten, wo nicht der direkteZweck einer Gradmessung vorlag, wo aber eine möglichstvollkommene Landesvermessung erzielt werden sollte, wur-den ebenfalls wissenschaftliche Männer an die Spitze ge-stellt. In Baiern erwarben sich Soldner und Schwerd; inWürttemberg Bohnenberger; in Darmstadt Eckhardt einenNamen als gute Geodäten.
In Oesterreich, Preussen und Baden triangulirten dieGeneralstäbe; es wurden aber in Oesterreich Littrow und