§. 2. Längengradmessungen.
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Italien und Istrien stattgefunden batten, in Verbindung zubringen, und um die Grundlage zu einer grossen Längen-gradmessung zu gewinnen, die sieh vom Atlantischen Oceanbis zum Adriatischen Meere erstrecken sollte.
Im Jahre 1811 wurde die Leitung dieser Arbeiten demColonel Brousseaud übertragen und vorzügliche Instrumente,ein 13zölliger Cercle repdtiteur von Bellet, ein 12zölligera niveau fixe von Fortin und ein 14zblliger Kreis vonGambey zu seiner Verfügung gestellt. Das erste dieserInstrumente wurde aber bald durch einen merkwürdigenZufall unbrauchbar. Am 20. August 1811 überraschte denObersten Brousseaud ein Gewitter auf dem Mont-d’Or.Der Blitz schlug in die Signal-Pyramide, tödtete den Wäch-ter, verletzte seinen Diener, fuhr dann in den Instrumen-tenkasten, schmolz zwei Fussschrauben des Kreises und dieOcularhülse nebst der Linse am oberen Fernrohr. Er selbstblieb unversehrt.
Nachdem das französische Dreiecksnetz vom Tour deCorduan (Mündung der Gironde) bis an die SavoyischeGrenze beendigt war, machte das französische Gouverne-ment, auch nach dem Sturze des Kaiserreiches den ur-sprünglichen wissenschaftlichen Plan verfolgend, im Jahre1820 der sardinischen Regierung den Vorschlag zur Aus-füllung der zwischen Chambery und Turin noch vorhande-nen Lücke in den Dreiecksketten, und forderte zugleichauch die österreichische Regierung zur Theilnahme an derprojectirten Längengradmessung auf. Dem zufolge wurdeim folgenden Jahre von dem österreichischen und sardi-nischen Gouvernement eine gemischte Commission ernannt,bestehend aus Offizieren des beiderseitigen Generalstabesund den Direktoren der Sternwarten von Mailand und Tu-rin, Carlini und Plana, um die fehlende geodätische Ver-bindung mit dem französischen Dreiecksnetz herzustellenund die Längengradmessung in Gemeinschaft mit den fran-zösischen Gelehrten in Ausführung zu bringen.