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Ueber die Grösse und Figur der Erde : eine Denkschrift zur Begründung einer mittel-europäischen Gradmessung nebst einer Uebersichtskarte / von J.J. Baeyer
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§. 2. Dängengradmessungen.

Gradmessung bis an die Memel. Nach seinem Abgängeals Chef des Generalstabes der Armee kam aber dies Pro-ject gänzlich in Vergessenheit und die späteren wissenschaft-lichen Unternehmungen erhielten ihren Anstoss vom Aus-lande.*)

In England wurde eine Längengradmessung zwischenGreenwich und Valentia an der Westküste von Irland aus-geführt**) und gefunden, dass in der Breite von 51° 40'der Bogen von einer Secunde in einem Kreise senkrechtauf den Meridian 101,6499 Engl. Fuss oder = 1 ,89634lang sei. Dies giebt die Länge eines auf den Meridiansenkrechten Grades 57226 T ,83.

Die grösste aller Operationen, die bisher zur Bestim-mung der Grösse und Figur der Erde ausgeführt wurden,ist aber die Längengradmessung, die W. Struve 1857 imAufträge des russischen Gouvernements entworfen hat undzu deren Ausführung Preussen, Belgien, Frankreich undEngland bereitwilligst ihre Mitwirkung zugesagt haben.Sie wird etwa unter dem 52. Parallel von der OstgrenzeEuropas bis zu dem Meridian von Valentia an der West-küste von Irland gehen und umfasstin Russland etwa 39°in Preussen etwa 12in Belgien etwa 5°in England etwa 13°

in Summa 6y° der Länge.

Die Dreiecksketten auf diesen ausgedehnten Liniensind bereits beendigt und grösstentheils auch in Verbindunggebracht oder es sind die Verbindungsarbeiten im Gange.Die astronomischen Längenunterschiede sollen vermittelstder elektrischen Telegraphen gemessen werden.

*) Gradmessung in Ostpreussen. Die Verbindungen der preussiaehenund russischen Dreiecksketten.

**) Determination of the longitude of Valentia, by Airy.