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Ueber die Grösse und Figur der Erde : eine Denkschrift zur Begründung einer mittel-europäischen Gradmessung nebst einer Uebersichtskarte / von J.J. Baeyer
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§. 2. Längengradmessungen.

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gemessen. Ueber die Resultate ist aber bis jetzt nochnichts bekannt geworden.

In Deutschland hatte der General von Müffling imJahre 1816*) eine Längengradmessung entworfen, die vonder Sternwarte Seeberg bei Gotha bis nach Dünkirchen(dem nördlichen Endpunkt des grossen französischen Me-ridianbogens) gehen sollte. Die Längenunterschiede soll-ten durch Pulversignale gemessen werden und die Stationen,15 an der Zahl, waren durch Recognoscirungen ermittelt.Im Frühjahr 1817 legte v. Müffling seinen Entwurf demBureau de Longitudes in Paris vor, welches eine Commis-sion ernannte, um Versuche darüber anzustellen, ob dasMessen von Zeitintervallen durch Pulverblitze oder durchdas Blenden von grossen Reverbferes vortheilhafter sei.Darüber verging die Zeit, und als im Jahr 1818 die Oecu-pationsarmee Frankreich verliess, zerschlug sich die Sacheganz, und es wurde nun französischerseits die oben er-wähnte Längengradmessung zwischen Brest und Strasburgprojectirt.

Der General v. Müffling, um sein Project nicht auf-zugeben, liess dagegen aus den Dreiecksketten die geodä-tischen Linien Seeberg-Dünkirchen, Seeberg-Manheim undManheim-Dünkirchen berechnen, und führte vermittelst die-ses grossen geodätischen Dreiecks, in Verbindung mit denPolhöhen und Azimuthen, die an allen drei Punkten ge-messen waren, selbstständig eine Längengradmessung**) aus.Er fand den Längenunterschied zwischen Seeberg undDünkirchen

in Bogen = 8° 2P 17",68 -in Zeit = 0" 33' 25", 1 "8

Die Abplattung der Erde = ,1 --

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Gleichzeitig projektirte er auch die Fortsetzung dieser

*) Hertha, 7. Hand, 1826, 1. Heft.

**) Astron. Nachr. No. 72. 1828.