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§. 5. Abplattung der Erde aus Pendelbeobachtungen.
Hierauf wird aus den synodisclien Umläufen des Mondesund ihrer Vergleichung mit den Beobachtungen der Altennachgewiesen, dass die Dauer des Tages sich seit Hipparchnoch nicht um T Secunde verändert habe, und aus dieserThatsache der Schluss gezogen, dass die Temperaturder Erde sich in den letzten 2000 Jahren nochnicht um einen Centigrad vermindert haben kann.
§. 5.
Abplattung der Erde aus Pendelbeobachtungen.
Schwere nennt man diejenige Kraft, mit welcher dieErde die. Körper anzieht. Die Richtung, in welcher dieGesammtanziehung der Erde wirkt, bestimmt sich durchdie Lothlinie, die man erhält, wenn ein schwerer Körperan einem Faden aufgehängt wird (Pendel). Versetzt manein Pendel in Schwingungen, so ist die Anzahl derselbenin einem 'gegebenen Zeitintervall (Sterntag) stets gleich,so lange die darauf wirkende Kraft (Schwere) dieselbebleibt. Wird die Schwerkraft stärker, so schwingt es leb-hafter oder schneller, wird sie geringer, so schwingt eslangsamer. Wäre die Erde eine ruhende Kugel, so würdeein und dasselbe Pendel an allen Punkten der Erde ingleichen Zeiten stets die gleiche Anzahl Schwingungenmachen. Rotirt aber diese Kugel um eine Axe, so wirddie Schwere um die Schwungkraft vermindert und bleibtnur im Pol, wo die Schwungkraft Null ist, unverändert.Dasselbe Pendel wird also auf jedem Punkt der rotirendenErde vom Pol nach dem Aequator hin, in gleichen Zeit-abschnitten immer weniger Schwingungen und unter demAequator selbst die wenigsten machen, weil dort der Ab-stand von der Drehungsaxe und damit die Schwungkraftam grössten ist. Da hier der Abstand von der Drehungs-axe die Ursache der verminderten Schwingungszahl ist, so