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Ueber die Grösse und Figur der Erde : eine Denkschrift zur Begründung einer mittel-europäischen Gradmessung nebst einer Uebersichtskarte / von J.J. Baeyer
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§. 6. Allmälige Entwickelung der Messkunde.

für die Sternwarten 3füssige Multiplicationskreise der neuenArt zu bauen, erhoben sich gleichfalls Stimmen dagegen.In Deutschland war Littrow*) in Wien der erste, welcherihre Vortheile anzweifeltc und der einfachen Beobachtungs-weise der Engländer den Vorzug gab.

Gauss machte bei der hannoverischen Gradmessungmit seinem 12zölligen Theodoliten ebenfalls den Versuch,nach Richtungen zu beobachten und das Resultat der Win-kel nach der Methode der kleinsten Quadrate zu bestimmen.Der Erfolg war günstig und seitdem wurde nach und nachdie Repetitions-Methode aufgegeben und dadurch ein neuerSchritt vorwärts gethan. Etwa 15 Jahre später wurdeauch anstatt der Nonien die Ramsdensche Ablesungsweisemit Mikroskop-Mikrometern an kleineren Theodoliten ver-sucht und dadurch ein neuer Vortheil erzielt. Ich habeim Jahre 1839 bei Schumacher in Altona den ersten, vonRepsold in Hamburg verfertigten Theodoliten mit Mikro-skopen zum Ablesen gesehen und habe seit der Zeit nurnoch ungern die Nonien gebrauchen mögen.

Der Vortheil der Mikroskope ist ein doppelter; einmalgeht das Ablesen viel leichter und schneller als mit Nonien,und dann hat bei der Vollkommenheit, mit der man gegen-wärtig die Schrauben schneiden kann, der grössere Durch-messer der Instrumente nicht mehr den Werth, wie beiden Nonien, denn ein 8- oder lOzölliger Theodolit leistetfast ganz eben so viel wie ein 16zölliger. Es kommt beiden Mikroskopen nicht mehr so viel auf den Durchmesserals auf die Theilung an.

Der gegenwärtige Stand der höheren Geodäsie ist der,dass durch die Anordnung der Beobachtungen die kleinenEehlerursachen aufgehoben werden und dass man nachRichtungen beobachtet, die dann nach der Methode derkleinsten Quadrate ausgeglichen werden. Die horizontalenWinkel und die Zenithdistanzen werden mit Theodoliten*) Astron, Nachrichten, No. 3. 1823.