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Ueber die Grösse und Figur der Erde : eine Denkschrift zur Begründung einer mittel-europäischen Gradmessung nebst einer Uebersichtskarte / von J.J. Baeyer
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§. 6. Allmälige Entwickelung der Messkunde.

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gemessen, die mit Horizontal- und Höhenkreis versehensind und mikroskopische Ablesungen haben. Die Genauig-keit, welche durchschnittlich mit 8 bis 12zölligen Kreisenerreicht werden kann, ist auf etwa (TöVcnr 8 *- 6 ! der Längezu veranschlagen. Siehe W. Struve in: Verbindungen derPreussischen und Russischen Dreiecksketten Seite 435.Berlin 1857.

Für die Messung der Grundlinien hat Borda zweiGrundsätze aufgestellt, die heute noch massgebend sind.Der erste beruht darauf, dass die verschiedene Ausdehnungzweier Metalle das beste Mittel sei, um die Reduction derStangen auf ihre Normallänge zu bewerkstelligen (Metall-thermometer). Der zweite verlangt, dass bei der Messungselbst die einzelnen Stangen an den Enden nicht in Con-tact gebracht, sondern in kleinen Zwischenräumen ganz un-abhängig von einander aufgestellt und die Zwischenräumebesonders abgelesen werden.

Diese Grundsätze sind unverändert festgehalten wor-den, nur ihre Ausführung war verschieden.

Bordas Messstangen bestanden aus Platin und Kupferund zum Ablesen der Zwischenräume und der Metallther-mometer dienten Schieber mit Nonien.

Reichenbach liess seine Stangen in keilförmigen Schär-fen endigen, von denen eine horizontal, die andere vertikalwar, und machte die Ablesungen mit einem in einem sehrspitzen Winkel geschliffenen Glaskeil, der in das Intervallzwischen einer horizontalen und einer vertikalen Schneideeingesenkt wurde.

Repsold schnitt bei dem Schumacherschen Apparatedas eine Ende durch eine senkrechte Ebene ab und liessdas andere kugelförmig enden. Die Ablesungen wurdenebenfalls mit einem Glaskeil gemacht.

Diese Einrichtung setzt aber die wagerechte Aufstel-lung der Stangen voraus, während Reichenbachs Einrich-tung den Gebrauch in geneigten Lagen zulässt.