Sie ist, wenn ich mich recht erinnere, in Bregenz gebe»ren, und kam jung nach Italien. Hier ward ihr empfang»licher Geist, unter Kunstwerken, und in der guten Gesell-schaft, gang zum platonischen Wohlklang gestimmt. In ih-rer Gestalt und in ihren Gemälden, in ihrer Rede und ih-rem Wandel, ist überall nur Ein Ton herrschend: nämlichsanfte jungfräuliche Würde. Sie ist jetzt ungefähr 27 Jahre-alt, keine vollendete Schönheit, aber dennoch einnehmend inihrer Form und ihrem ganzen Anstand. Der Charakter ih-res Gesichts gehört zur Gattung, welche Dominichin gemalthat, der in seinen Köpfen den Raphael erreichte: edel, schüch-tern und bedeutend, anziehend und mittheilend. Man wirdsie nirgends flüchtig gewahr, sondern sie hält den Blick desBeobachters fest; ja es gibt Augenblicke, wo sie tiefere Ein-drücke macht. Wenn sie, vor ihrer Harmonika, Pergolesi'SStakst singt, ihre großen schmachtenden Augen, pieiosi »rixoaräar, a mover pareiü, gottesdirnstlich aufschlägt, unddanN mit hinströmendem Blicke dem Ausdruck des Gesangesfolgt, so wird sie ein begeisterndes Urbild der heiligen Cä-oiliä. Welcher Beruf, mein Freund, mit so vielen Talentenglücklich zu seyn! — Aber Angelika ist es jetzt nicht. Ihresichtbare Schwermuth ist eine Frucht mißlungener Liebe, diesich mit einer unglücklichen, jetzt wieder getrennten, Heirathendigte. Aller Genuß des Ruhms und des Lebens wirddurch das Leiden des Herzens verbittert.
Als Malerin fehlen ihr gleichwohl wichtige Theile derKunst: sie zeichnet nicht allerdings richtig, und muß daherreiche, handiungsoolle Erfindungen meiden; selbst in dereinzslnen Figur darf sie keine schwere Stellung und keineVerkürzungen wagen; sie deutet die Anatomie des Nacken-den »ngewi-iund furchtsam an; wenn auch ihre Verhältnisse