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vornehme Polen besuchen die Freundin ihres Königes. Wirsehen hier täglich den Prinzen Adam CzartorinSky, der vonden besten Menschen in Europa geschätzt wird.
Einen beständigen Gast der Madame Geoffrin und mei-nen Liebling sondere ich mit Parteilichkeit au«; dies ist derAbt Galiani, ein Neapolitaner und Gesandschasts-Secretairseines Hofes. Ich kenne Niemanden, dem man lieber be-gegnet, den man gieriger hört, der so unumschränkt herrschtin der besten Gesellschaft, ohne Mißvergnügte zu machen.Er hat wenig geschrieben; aber alles sollte man drucken,was seinen Lippen entfällt: denn leS ist treffender Witz,Schlag auf Schlag, Spott, der nicht beleidigt, und Gelehr-samkeit und Menschenkenntniß, so leicht und spielend auSgegos-fen, als wär' eS alltäglicher HauSverstand. Was er sagt,ist so einzig und eigen gestempelt, daß man über die aller-bekanntesten Dinge etwas nie Gehörtes erfährt; in seinemwunderbaren Gedächtniß erhält sich alles ohne Wandel undAbgang; er hat alles gelesen und durchforscht, von den Kir-chenvätern an, bis zu den Feenmährchen, und liest jetzt nichtsmehr, wie er drollig versichert, als den Almanach; denn esist, nach seiner Meinung, das einzige Buch, welches unwi-derlegbare Wahrheit enthält.
Von den Franzosen will ich ein andermal reden. Wer dieNation will schätzen und lieben lernen, muß dieses Hausnicht vorbeigehn. Die Hauptstadt vollendet den Mann vonGeschmack, und hier ist die Auswahl der seltensten Geister,die Paris in seinem Umfang einschließt. Es ist nun schonallgemeiner Glaube, baß die Freundschaft der MadameGeoffrin den Ruf vorzüglicher Gaben bestätigt.