Band 
Einundzwanzigster Band. Erster Theil.
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II

von Europa, wie einst das Orakel den Tokrates, für denWeisesten erklärte; er aber überzeugt bescheiden, daß er nichtdarein willigen durste: „Warum sollt' ich," fragt er freund-lich, „die Vertrauten meines Herzens, den Himmel meinerJugend verlassen, um mich in ein entferntes Land zu ver-pflanzen, das mir ewig fremde bleiben mußte? In meinemAlter hat der Geist schon unvergängliche Falten, der Ge-schmack wird «»biegsam. Ich würde nicht in Rußland ge-fallen; mir würde dort Alles zuwider seyn. Jetzt bin ichglücklich; soll ich'S d'rauf wagen, ob ich's auch im Zwangeder Höfe, unter tausend Gefahren, seyn kaun? Ueberflußist äußerst beschwerlich, wenn man nur gebrauchen, und nichtverwalten mag. Pracht und Titel reizten mich nicht, oderich hätte das Vertrauen der Kaiserin noch weniger verdient.Es ist wahr, die Philosophie ist alsdann nur schätzbar,wenn sie thätig wird; eigener Bortheil darf hier nichts ent-scheiden, und man sollte keine Neigungen hören, wenn'ödarauf ankommt, ausgebreitet nützlich zu sey»; aber ich habemeine Kräfte geprüft; Alles, was ich in meinen Büchernlernte, ist ein wenig Wissenschaft und Genügsamkeit, nichtdie schwere Kunst, Monarchen zu bilden."

Unter den Neuern erinnert mich Niemand so lebhaft,als er, an die Weisesten unter den Römern. So stelle ichmir des Cicero Freund, den Q. LuciliuS Balbus vor*). Ermag reden oder schreiben, immer ist eS feste, strenge Ver-nunft, Schlnßfolge tiefer Untersuchung; nie wird man ge-wahr, daß er einkleiden will; er fällt nicht in den lehrendenTon; er schimmert nicht, aber er leuchtet helle; sein AuS-

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