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Minister entfaltet, sie aus ihren Epochen heraushebt, als-dann nach dem Bedürfniß ihrer Zeiten schätzt, und ihre Feh-ler und Vorzüge abwiegt. Alles ruft jetzt schwärmerisch nachHandelsfreiheit; Necker, unbetäubt, zieht die Linie der Wahr-heit zwischen Unordnung und Finanztyrannei, zeigt, wie manplündert, und wie man erntet, und das alles kalt und ru-hig, ohne zu widerlegen» oder zu streiten, immer karg a«Worten, und reich an Geist.
Sie verlangen mein allgemeines Urtheil über die Fran-zosen. Ich kann nur Außenlinien zeichnen, nach der Gesell-schaft, die ich besuchte; wer eine Nation darstellen wollte,in ihrem Wesen und Seyn, müßte, mit mehr Menschen-kenntniß, auch länger forschen, als ich, aber auch nicht zulange, weil sich endlich das Auge verwöhnt. Er müßte we-nig Reflexionen liefern, sondern Rede, Handlung» Leidenschaft,unter Verliebten, Kindern, Vatern, Gatten, unter Fürstenund Knechten, Gruppen aus der wallenden Natur, so würdeanschaulich, wie sie mit einander das Leben genießen, oderertragen, wie sie leiden, wie sie sich freuen.
Wir haben freilich ihr Theater und ihre Romane. Collö'SLustspiele, der Frau Riccoboni Schriften sind Gemälde derheutigen Franzosen, und treu, wie Fielding'S Bilder, abernur für ihren Gebrauch. Dem Eingebornen fallen andereZüge, und andere dem Ausländer auf; jener übersieht all-tägliche Seltsamkeiten, welche diesem äußerst merkwürdigfind. Fehler werden aus Vaterlandsliebe verschleiert. FindenSie, zum Beispiel, in ihren Schriften ihrer Gleichgültigkeitgegen alles Fremde gedacht, ihrer Unwissenheit ausländischerSachen? Dennoch ist dieß ein charakteristischer Zug, der,wenig seltene Männer ausgenommen, die ganze Ration un-terscheidet. Ich war arg in meiner Erwartung getäuscht, al»