Band 
Zweiundzwanzigster Band. Zweiter Theil.
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»herschickte, und er acht und vierzig davon zurücksandte.Nur für seine Frau haben seine Verleger eine Leibrente von1200 LivreS ausgemacht. Er nährte sich vom Notenschrei-ben; man bezahlte ihm mehr als gewöhnlich, aber dafürschrieb er auch in der größten Vollkommenheit ab. Seinecopirte Musik wird theuer gekauft; denn sie trägt, außerihrem äußern Werth, auch ben Stempel der innern Vor-trefflichkeit, weil er nichts abschrieb, als was seinen Ge-schmack als Kenner befriedigte.

Im Jahre 1770 ward sein Drama Pygmalion bekannt.Es ist ganz mit Jugendfeuer durchglüht, voll glimmender,wachsender, wüthender Leidenschaft, und scheint nicht daöWerk eines alternden Philosophen zu seyn. Es wurde erst1775 auf der Pariser Bühne vorgestellt. La Rive machteden Pygmalion, und Mamsell Raucour die Bildsäule. Eswirkte, wie Alles, was in Frankreich gefällt, wie eine Artvon Zauberei; ganz Paris strömte trunken dahin. Rousseauhatte nicht in die Aufführung gewilligt, und schlug auch dieAutor-Belohnung aus.

Noch ist ein Werk von ihm in der Welt, gewiß dasEinzige in seiner Art, nämlich ein aufrichtiges Tagebuchseiner selbst. Freunde, denen er eS vorlas, versichern, daßer alle Geheimnisse seines Herzens mit einer fürchterlichenWahrheit entfaltet. Folgende Vorrede zu diesem außer-ordentlichen Werk ist bekannt geworden: „Ich unternehmeetwas ohne Beispiel, und daö gewiß nicht nachgeahmet wird:ich will einen Menschen nach der nackten natürlichen Wahr-heit zeichnen, und dieser Mensch bin ich. Ich allein kennemein Herz, und ich habe die Menschen kennen gelernt; ichbin nicht wie Einer unter ihnen; ich bin vielleicht weder bes-ser noch schlimmer, aber ich bin eine ganz eigene Gattung.