Band 
Zweiundzwanzigster Band. Zweiter Theil.
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Zeit, hat er die Menschen gekannt? lebte und webte er nichtin einer idealischen Welt? fordert er nicht zu viel von demverdorbenen Geschlecht? ist sein Vorbild der Tugend undWeisheit nicht aus der Halbgötter Zeit? Es kann seyn;gleichwohl ist es ein ehrwürdiger Traum, uns Thätigkeit,Gefühl unsers Wohls, und Trotz auf unsere Rechte zuzu-trauen. Er wurde freilich getäuscht; er irrte zur Belohnungarm und vogelfrei auf der Erde herum; aber er gestandauch seinen Irrthum. „Ich unternahm eS," sprack er, „mitden Menschen über ihr wichtigstes Interesse zu reden. Siewollten lieber singen hören; darum schrieb ich Noten für sieab." Man fragt ferner: widersprach er sich nicht? nahm ernicht oft Lehrsätze wieder zurück? Heil also der übereinstim-migen Mittelmäßigkeit, die immer auf ihrem geraden Wegim Gängelband der Schule taumelt, und keine Meinung än-dert, weil sie sich nie einer eigenen bewußt war! So zähltuns denn, fährt man fort im triumphirenden Ton, dieSumme der Wahrheiten auf, die Rousseau gefunden oderbestätiget hat, oder gestehet vielmehr, daß er wieder einriß,was er baute, und daß er, durch sein ewiges Für und Wi-der, alle Gewißheit aus der Seele vernünftelte! WelchesLehrgebäude hat er befestigt? welches neue gegründet? irreter nicht in lauter Ruinen herum? hat er nicht in alle Sy-steme tiefe, schreckliche Lücken gerissen? Alles zugegeben,meine Herren; aber er fand diese Klüfte aus seinem einsa-men Pfad, und warnte getreulich den Wanderer davor; eöwar seine Schuld nickt, wenn er nicht so glücklich als An-dere war, und irgend auf eine Nothbrücke stieß. UnsereKatheder-Systeme hängen besser zusammen; wir erklären dieverborgensten Dinge; wir verhören die verschwiegene Natur;wir vereinigen Nothwendigkeit und Freiheit, und vertheidi-gen mit kühnem Frevel Gott gegen seine Geschöpfe. Es