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gibt Heerden von Universitäts-Philosophen, die Alles begrei-fen und beweisen, die nie ein Zweifel geängstigt hat. Nurist zu beklagen, daß die weisesten unter den Menschen nachlangem Grübeln immer fanden, daß sie nur wenig wußten.Unsere Jünglinge spotten über Zweifel, und der hundertjäh-rige Theophrast starb darum ungern, weil er, wie er sagte,eben anfing, ein wenig klug zu werden.
Es läßt verdächtig, wenn ein roher Mündling eben dadie größte Klarheit entdeckt, wo die Bayle zweifeln und dieLeibnitze vermuthen, wenn man da am trotzigsten entscheidet,wo die Rousseaue und die Locke ihre Unwissenheit gestehn.Die Grundbegriffe aller Dinge, das Wie? in den Erschei-nungen der Natur, das Warum? in der moralischen Welt,die Rathschlüffe der Vorsicht, die widersprechenden Schicksaledes Lasters und der Tugend sind Geheimnisse des Allmäch-tigen. Wir werden selbst in der bürgerlichen Weisheit nureinzelne Beziehungen gewahr, wenn sie just in unserm Ge-sichtskreise liegen. Darum überläßt der Weise, wenn ihnkeine Offenbarung erleuchtet, den Olymp den unsterblichenGöttern, erträgt oder genießt sein Loos, ist nützlich, wenner kann, und bildet an sich selbst. Wir sind auch ohne tie-fes Forschen durch unsere Vernunft genug aufgeklärt, umuns zu lieben, zu ertragen, um gütig und gerecht zu seyn.Wohlthätigkeit und Menschenliebe sind älter als Systeme,älter als die goldenen Sprüche des PythagoraS, und es gabfreundliche Erdensöhne, eh Plato über die Tugend schrieb,eh Sokrates dafür starb.
War es aber dein Schicksal, Freund der Wahrheit, ineiner Religion erzogen zu werden, die, bei ihrer Unerklär-barkeit, doch für deine Einsicht und dein Gefühl unläugbareSpuren eines hohen Ursprungs trägt, so grüble weniger als