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ten. Rußland hat uns früh verfeinerte Europäer in Wis-senschaften und Künsten erreicht und an Menschlichkeit über-treffen. Gelinde Strafen und Eigengewalt sind eine selteneErscheinung in der Geschichte. AIS der erste Mensch im ge-richtlichen Pomp auf dem Rade zerschmettert ward, bebtegewiß vor Entsetzen und Abscheu die ganze Versammlung derZuschauer? aber wir gewöhnen uns endlich an den blutigenAufzug. Jede Erecution wird ein Schauspiel für den Pö-bel, bei welchem auch mancher feine Mann eine Erholungs-stunde zubringt. Vor wenig Jahren ward in Paris ein die-bischer AbbL aufgehangen, und ein wohldenkender freund-licher Gelehrter lud den Verfasser dieses Aufsatzes mit denWorten dazu ein: ^»ous, Monsieur, ssirs un tour ü laplace <is 6rere, poiir voir äanser Monsieur I'^bds. AchtTage vor D'Amiens huronischer Zerfleischung war kein gu-tes Fenster mehr zu miethen; elies vtsient taute« prisespour le» vsme«. Das andächtige Schauspiel unsrer Hin-richtungen wirkt oft so sehr den: Endzweck entgegen, daß eszu Ucbelthaten reizt. Es darf einem Schwärmer nur ein-fallen, baß ihn der Tod vielleicht unbereitet überfällt, umruhig eine Kehle abzuschneiden, damit er Zeit gewinne, sichselig zu beten; Andere sind eines elenden Lebens müde unddrängen sich durch ein Verbrechen zum Tode. Für Beide istnur das Leben eine Strafe. — Ist Verhältniß zwischenStrafe und Verbrechen, wenn ein Elender aufhören soll zuseyn, weil er am Ueberfluß des Reichen ein wenig genagthat? Fürchtet ein philosophischer Spitzbube den Strang,der die Arbeit hasset und das Vergnügen liebt, der die Un-gleichheit des Eigenthums tadelt, der erwägt, daß uns Allenein mannichfaltiger Tod droht, und daß jede Krankheit är-ger als ein flinker Henkersknecht martert? Wird ihn eineschlimme Viertelstunde mehr als ein mühselige« Leben un-