Band 
Zweiundzwanzigster Band. Zweiter Theil.
Seite
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„Ist das so leicht, Herr Simon?"

Er. Alles besteht in der Methode, mein Herr. Wennman nie etwas abschlägt, oder begehrt, als mit vernünftigenGründen, die man, wie Sie wissen, immer findet» so lerntdie Frau bald den Willen ihres Mannes für den klügstenWillen halten, und folgt dann ohne Widerspruch.

Ich schwieg betroffen; denn, im Vertrauen gesagt, derhäusliche Muth dieses redlichen Mannes wird in der Stadtnicht gebührend erkannt. Jedermann glaubt vielmehr, daßihn seine Dame, obwohl an einem seidenen Faden, dochsicher wie in Ketten, leitet.

ES ist Sünde, dachte ick, so ein Wohlbehagen, so eintäuschendes Gefühl der Kraft zu stören; doch entfiel mir,baß es Täuschungen gäbe, daß mancher Günstling eigenenWillen dem Sultan für den seinigen verkaufe, und daß einejede Frau eine grborne Saatskünstlerin sey.

„Ei Possen! Possen!" rief Herr Simon. Ja wennman ihre Winkelzüge nicht endlich durchgeforscht hätte! Wermit den Wendungen ihrer List, mit dem Labyrinth ihrerEinleitung bekannt ist, der lauscht am rechten Ort, und hörtsie auf den Zehen kommen." — „Herr Simon," sprach ich,„lieber Herr Simon! es gibt aber doch eine Menge Krüm-men, die sich nicht berechnen lassen."

Vor einigen Tagen traf ich die Frau meines Freundesallein zu Hause, ein freundliches, angenehmes Weib, die sonatürlich spricht und handelt, daß, wenn sich die Frau Si-mon verstellt, Verstellung nothwendig die Natur der Damenseyn müßte. — „Herrliches Wetter I" rief sie mir entgegen.„Jetzt wäre das so recht eine Zeit, um den Hallerbrunnen