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wäre Cäsar nicht der Cäsar geworden, den wirkennen.
Ist nun vollends die Seele in Bewegung, so leuchtetsie durch, wie der Mond durch Ossians Geister. Jede Lei-denschaft hat im ganzen Menschengeschlecht immer einerleiSprache. Philoktet ächzet anders als ein gepeitschterKnecht, Raphael's Engel lächeln edler als die Marsch-engel Rembrand's; aber immer haben Freude und Schmerzein einziges, eigenthümliches Spiel; sie arbeiten nach einer-lei Gesetz, auf einerlei Muskeln und Nerven, so zahllosdie Nuancen ihres Ausdrucks auch sind, und je öfter dieLeidenschaft wiederholt wird, je mehr sie zum Hang, zurLteblingSneigung artet, je tiefer wird ihre Furche gepflügt.
Aber verborgener liegen Anlage, Geschick, Grad undWeise der Empfänglichkeit, Talent, Beruf und Geschäfts-fähigkeiten. Den Zornigen, den Wollüstige», den Stolzen,den Unzufriednen, den Boshaften, den Wohlthätigen, denMitleidigen zu entdecken, wird einem guten Beobachter nichtschwer: aber den Philosophen, den Dichter, den Künstler,und ihr mannichfaltiges Seelenvermögen wird er nicht mitgleicher Zuversicht schätzen; noch seltner wird er es anzuge-ben wagen, wo die Anzeige der Eigenschaft sitzt, ob imAugenknocken Verstand, Witz im Kinn, und Dichtergenie imMunde deutlich wird?
Allerdings ahnet uns so etwas, wenn uns ein merk-würdiger Mann begegnet, und wir sind alle, weniger odermehr, empyrische Physiognomiker; wir finden im Blick,in der Miene, im Lächeln, im Mechanismus der Stirnebald Schalkheit, bald Witz, bald forschenden Geist; wir er-warten und weissagen nach einer dunkeln Vorempfindung