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Zweiundzwanzigster Band. Zweiter Theil.
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zu einem ähnlichen Urtheil berechtigt. Hätten wir bann nurJahrtausende la^g Menschengestalten untersucht, charakteri-stische Züge geordnet, nach ihren Nüancen gepaart, merk-würdige Buchten, Linien und Verhältnisse durch Zeich-nungen deutlich gemacht, jedem Bruchstück seine Erklärungbeigefügt, so wäre das Mandarinen-Alphabet des Men-schengeschlechts fertig, und wir dürfen nur nachschlagen, umjedes Gesicht aus unserm Verrath zu erklären. Ich bewun-dere den Mann, der sich an dieses Elementarwerk der Schö-pfung wagt, und wenn ich mich dem Gedanken ganz über-lasse, daß die Ausführung nicht schlechterdings unmöglichsey, so erwarte ich noch mehr als Lavater; ich denke mirdann eine so reiche, so bestimmte, so ausgebildete Sprache,baß nach einer wörtlichen Beschreibung eine Gestalt wiederhergestellt werden kann, daß eine richtige Schilderung derSeele auf den Umriß des Körpers hinweist, daß ein Phy-siognomiker aus einem künftigen Plutarch große Männerzu palingenisiren vermag, daß es ihm leicht wird, ein Idealfür jede Bestimmung des Menschen zu entwerfen. Mit sol-chen Idealen behängen wir alsdann die Gemächer unsererFürsten, und wer ein unschickliches Amt fordert, muß sichohne Murren beruhigen, wenn ihn sichtbar seine Nase davonausschließt.

Nach und nach bilde ich mir eine ganz andere Welt, auswelcher Irrthum und Betrug auf immer verbannt sind.

Ob wir darum glücklicher wären, läßt sich streiten.

Wahrheit ist hier, wie immer, in der Mitte. Wir wol-len nicht zu wenig von der Physiognomik erwarten, aberauch nicht zu viel; denn noch strömen Einwendungen aufmich zu, die ich nicht alle beantworten kann.