Band 
Erster Theil.
Seite
61
JPEG-Download
 

«L

reu gegen blinde Passagiers, die sich gern auf fremde Ko-sten durch die Welt schleppen lassen. Also konnte ich —und das war kein geringer Trost — meinem matten Leich-nam ein Rudeplätzchcn schaffen, und mit Bequemlichkeitflüchten. — Der Wagen war leer, also der Eigenthümernoch im Wirthshaus. Ich wühlte in meinen Taschen —kein rother Pfennig darin, und doch hätte ich gern ein StückBrod gekauft. Betteln konnte ich nicht als Offizier, aberwohl in Requisition setzen. Ich wollte mein Glück versu-chen, ich trat in's Haus.

Da lag auf einem alten Futterkasten ei» runder Hut,ein Bauernkittel und eine Peitsche. — Heil dem brave«Mann, der in der Welt die Geistesgegenwart erfunden hat!— Wetterschnell flog mein militärischer Sturmhut auf denBoden, der grobe Filz auf meinen Kopf; der blaue lange* Ueberrock deS Offiziers auf den Kasten; mein schlanker Leibin den breitschultrigen Bauernkittel. Hätte ich noch ei»Schlachtschwcrt gehabt, ick würde eS gegen die Peitschevertauscht haben, welche ich dennoch als Zugabe in die Handnahm, um mich irgendwo einmal meiner Haut wehren zukönnen, wenn auch nur gegen unhöfliche Dorfhunde.

Daß ich nun nicht, als qualifizirter Dieb, an ein Nacht-essen im gleichen Hause denken konnte, verstand sich vonselbst. Das war schlimm genug. Aber doch hatte ich nundas Vergnügen, vor französischen Nachstellungen gesicherter,inkognito reisen zu können.

Ich stand noch in der Hausthüre, mit dem Gesicht aufder Dorfstraße herumspähend, wo ich verborgen den Wagenbeobachten könnte, um bei der Abfahrt mein Plätzchen hin-tenauf in Besitz zu nehmen. Da sprang jählings hintermir eine Thür auf — eine französische Stimme donnerte —