Der alte Gottlieb zuckte die Achseln.
Philipp legte Geld auf den Tisch und sagte: „Da sindzwei und zwanzig Gulden, die ich erspart habe. Ich kannsie wohl entbehren. Nehmet sie zum Neujahrgeschenk. Sokönnen wir alle Drei das neue Jahr wohlgemuth und sor-genlos antreten. Gott gebe, baß Ihr es gesund und fröh-lich durchlebet. Der Himmel wird ferner für Euch und michsorgen."
Frau Käthe hatte Thränen in den Augen, und küßteihn. Der alte Gottlieb sagte: „Philipp, Du bist wahrhaftder Trost und Stab unsers Alters. Gott wird Dir'S ver-gelten. Fahre fort, redlich zu seyn und Deine Eltern zulieben. Ich sage Dir, der Segen bleibt nicht aus. ZumNeujahr wünsche ich Dir nichts, als Dein Herz fromm undgut zu bewahren. Das steht in Deiner Macht. Dann bistDu reich genug. Dann hast Du Deinen Himmel im Ge-wissen."
So sprach der alte Gottlieb, ging und schrieb die Sum-me von zwei und zwanzig Gulden in's große Hausbuch undsagte: „Was Du mich als Kind gekostet, hast Du beinaheschon Alles abbezahlt. Jetzt haben wir aus Deinen Erspar-nissen schon dreihundert und siebenzehn Gulden empfangenund genossen."
„Dreihundert und siebenzehn Gulden!" rief Frau Käthemit großem Erstaunen. Dann wandte sie sich mitleidig zuPhilipp und sagte mit weicher Stimme: „Herzenskind, Dujammerst mich. Ja, recht sehr jammerst Du mich. HättestDu die Summe für Dich sparen und zurücklegen können, sowürdest Du jetzt ein Stück Land kaufen, für eigene Rech-nung Gärtnerei treiben und die gute Rose heirathen könne».