Band 
Erster Theil.
Seite
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Der Mensch vereinigt in sich gleichsam dreifaches Leben— ein sinnliches, ein sittliches und ein denkendes.

Der nächste Zweck, welcher vor ihm liegt, und dem erschon mit aller Kraft entgegensteuert, ehe er ihn deutlich er-kennt, ist — zu leben, — zu entfalten die Anlagen, welcheihm beiwohnen, das'zu werden, was er nach seiner Orga-nisation werden kann. Dahin lenken ihn unwillkürlich alleTriebe. Er gleicht der Pflanze, welche, organisirt zur Blu-me, mit immerwährendem Dränge dieser Bestimmung ent-gegenkeimt.

Haben die Triebe unsers dreifachen Lebens volle Be-friedigung, das heißt, setzen sich unserer sinnlichen, sittlichenund intellektuelle» Vervollkonimnerung keine andereSchranken, als die nothwendigen der Natur selbst, entge-gen, sind wir in der Lage, ungehindert aufzublühen undzu dem zu reise», was wir nach unserer Organisation seynkönnen, so sind wir frei. Wir sind Pflanzen im Gartender Natur, welche ungelähmt in ihren Kräften, Schönheit,Stärke und Höhe gewinnen.

Diese Freiheit empfängt nach besondern Beziehungenbesondere Bezeichnungen. — Verhältnisse, welche den Forde-rungen unserer sinnlichen Natur Erfüllung gewähren (Sicher-heit des Lebens, des Eigenthums, der Nahrung, Begat-tung u. s. f.) machen uns sinnlich frei.

Werden die Triebe unserer moralischen Natur gestillt,das heißt, vollstrecken wir das Sittengesetz der Vernunft,