entreißen wir uns der Herrschaft aller sinnlichen Begierden:so sind wir sittlich frei.
Lahmen keine willkürliche (also nicht durch die Natur-nothwendigkeit gegebene) Fesseln unsers Geistes Kraft, zurEntwickelung seiner Anlagen zum Urtheilen, Denken, Glau-ben; werden wir nicht durch willkürliche Gewalten an ge-wisse Formen und Meinungen und ein non plu, ultr» desForschens gebunden: so genießen wir Denkfreiheit.
Hieraus ergibt sich, daß die Freiheit nicht nur in sichVerschiedenheit trägt, sondern auch eben so relativ ist,als die Ausbildung der Triebe des dreifachen Lebens bei denSterblichen überhaupt ist.
Der Wilde, welcher nichts von den Forderungen seiner(in ihm vorhandenen, aber schlummernden) höher» Naturahnet, lebt frei, sobald er nur in sinnlicher Behaglichkeitleben kann.
Ein Europäer hingegen, der Alles, was Sinnlichkeitschmeichelt, so gut wie jener Wilde, besitzt, aber durch will-kürliche Gebote in Rücksicht der unerfüllten Triebe seinerhöher» Natur darben und schmachten muß, ist nichts wenigerals frei zu nennen.
Im Urtheile über die Freiheit der Völker müssen wirdiese mit keinem andern Maßstabe, als dem ihrer eigene«Entwickelungsstufe, messen.