Band 
Zweiter Theil.
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Solches Blutbad stillte den Grimm Cäcina'S nicht, son-dern er zog verderbenvoll das Land aufwärts bis zur StadtAventicum. Hier lebte ein hochgeachteter und reicher Mann,Julius Alpinus, vom helvetischen Volk. Diesen befahlder grausame Römer zu ergreifen, als den Stifter des Auf-ruhrs, und ihn in Ketten und Banden zu werfen und zumschmählichen Tode zu führen. Umsonst betheuerten Dieledes Greises Unschuld; umsonst warf sich dessen Tochter,Julia Alpinula, eine Priesterin, zu den Füßen desWüthrichs. Ihre Schönheit, ihre Jugend, ihre Thränenrührten das Herz des rauhen Kriegers nicht. Der Greiswurde getödtet.

Das ganze Land erscholl von Wehklagen und Jammer.Und man hörte nun zu spät, daß der Kaiser, welchem manhatte treuen Dienst leisten wollen, ermordet sey, und daßVitellius Herr der Welt geworden. Eilfertig ritten Ge-sandte zu ihm, das Erbarmen des neuen Gebieters anzuru-fen- Die Heivetier warfen sich vor seinem Thron in Staubund Thränen nieder und schrieen um Gnade. Wie sie die-selbe auf verächtliche Weise, als demüthige Unterthanen, er-flehten, ward sie ihnen, wie elenden Knechten, mit Verach-tung gewährt. Das ist das Loos der Dienstbarkeit, woWohlleben mehr gilt, als Unabhängigkeit von fremden Herren.

Der Mordtag auf dem Bötzberg, der Jammer vonAventicum und die Schmach vor dem kaiserlichen Throneerweckten aber die Heivetier nicht zur alten Stärke. Diesewar in langer Ueppigkeit ersterben und verdorben. Manvergaß der vergangenen Nöthen, und lebte wieder in leicht,sinniger Lust, wie zuvor; suchte Reichthum und Bequemlich-keit, Ruhm in Künsten des Vergnügens, und wußte nichtsvom Heldenmuth, welchen ein freies Herz allein kennt.