Band 
Zweiter Theil.
Seite
35
JPEG-Download
 

38

wie eigenes Gut. Der Herzog von Schwaben wollte Kei-nem gehorchen; der Herzog von Burgund nannte sich selbstKönig. Wie die Herzoge den Königen trotzten, also trotztenwieder die Grafen den Herzogen, hielten Kriegsvolk undsprachen zu Allem ihr mächtiges Wort. Auch die Bischöfeblieben nicht müßig. In ihren Kirchsprengeln und Gebietenhochansehnlich und stark, thaten sie den Grafen und Herzo-gen gleich, machten sich unabhängig vom weltlichen Arm, leg-ten Harnisch und Panzer an und ritten vor ihrem KriegS-volk einher. Und wie die Bischöfe mit den Herzogen undGrafen, so that zu Rom der Papst mit den Kaiser« undKönigen; nahm Gewalt über sie an, und über alle Bischöfeund Kirchen in deren Landen, und zuletzt über deren Völker.

In solcher allgemeinen Verkehrung ist gekommen, daßdie Herren und Grafen, welche in Helvetten saßen, den Her-zogen in Schwaben zuletzt wenig nachfragten, eigenmächtigwalteten und etwa nur die Könige oder Kaiser des deut-schen Reichs fürchteten, oder ihnen schmeichelten, wenn siedurch dieselben hofften, noch größer zu werden. Einig wa-ren sie unter einander nie, oder nur dann, wann große Ge-fahr Alle zugleich bedrohte.

Eine solche Gefahr für Alle kam auch in den Tagen, als Kai-ser Heinrich, genannt der Finkler, Herr des deutschen Reichswar. Aus Morgenland her, vom schwarzen Meer, am Do-naustrom herauf, erschien nämlich ei» wildes Volk, kriege-risch, Alles zu Pferd, zahlreich wie Sand am Meer. Manhieß es die Ungarn. Sie streiften sengend und brennendbald durch Deutschland» bald durch Welsckland; nichts wi-derstand ihnen, kein Fluß, kein Gebirg. Nur die festen Bur-gen und Schlösser ließen sie unangetastet, denn sie verstau-