ten. Je weiter im See, je größer die TodeSnoth; denn dasteigen Uferberge jäh aus dem Abgrund des Seewassers, wieMauern zum Himmel. In schwerer Angst ließ Geßler demTeil die Fesseln abthun, damit derselbe, als guter Schiffer,das Fahrzeug lenke. Aber der Teil lenkte gegen die kahleWand des Axenberges, wo eine nackte Felsplatte wenigeSchritte weit in den See hervortritt. Schwung und Sprung:— der Teil hinaus aufdiePlatte, das Schiff hinaus in den See.
Nun kletterte der Erlösete den Berg hinauf und floh durchdas Land Schwyz. Und er dachte in seinem bekümmerten Her-zen: Wohin entfliehen dem Zorn des Gewaltherrn? Und ent-rinne ich seiner Bosheit, so hat er in der Heimath mein Weibund Kind zum Pfand. Was wirb nicht der Geßler gegen dieMeinigen verhängen, wenn Landenberg schon um zwei ge-brochener Finger seines Knechts willen dem Alten von Melch-thal beide Augen ausbohrte? Wo ist der Richterstuhl, vorden ich Geßlern lade, wenn der König selbst des ganzen Vol-kes Klage nicht mehr anhört? Ist aber kein Gesetz gültig,und Keiner, der da richtet zwischen mir und ihm, so stehenwir, Geßler, du und ich, gesetzlos Beide, und Nothwehr rich-tet. Soll Eins von Beiden fallen, unschuldig Weib und Kindund Vaterland, oder, Vogt Geßler, du: so falle du, undFreiheit steige wieder!
So dachte der Teil und flog mit Pfeil und Bogen genKüßnacht, und harrete in der hohlen Gasse bei dem Ort.Da kam der Vogt; da schwirrte die Bogensehne, da brachder freie Pfeil das Herz des Gewaltherrn.
Das ganze Volk erschrak freudig, als es den Tod seinesUnterdrückers vernahm. Die That des Teil verlieh höher«Muth) allein noch war die Neujahrsnacht nicht gekommen.