Band 
Zweiter Theil.
Seite
99
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Aber auch Andere geriethen in Selbstverblendung, wel-che sich einbildeten, die Masse der Nation sey dem Herzenihrer Könige ganz und völlig abgestorben; kenne schon garnickt mehr die alte Liebe und Treue zu den anererbten Für-stenhäusern; wolle nur Auflösung, republikanisches Wesenund stürmische Umwälzung. Nein, die Nation hatte — undsie bewies es bis diesen Tag — von den schönsten ihrer al-ten Tugenden, die einst Tacitus pries, noch keine einge-büßt; ihren Häuptern zollte sie noch im Glück und Unglückunvernichtbare Treue; oder wo, unter allen germanischenVölkerschaften, ward eine gesehen, die eine unehrerbietigeHand gegen den Thron erhob?

Es mag nicht an Personen gefehlt haben, welche auseigener Täuschung, oder aus schlauer Absicht, hin und wie-der das Schreckbild von Nähe einer Revolution, von Reck-ten des Volks zu Widersetzlichkeit und Aufstand sogar anHöfen glaubwürdig zu machen bemüht gewesensind. Solche Darstellungen konnte» wohl um so mehrWahrscheinlichkeit gewinnen, wenn derselben vielleichtsogar übereinstimmende Aussage von Männern entge-gengesetzter Grundsätze waren. Aber diese Ueberein-stimmung stammte eben nicht so sehr von der Richtigkeit derThatsache, als davon her, daß die Einen sich bemühten,die Fürsten, durch Vorgaukelung des Schreckbildes, zurschnellern Erfüllung der Volkswünsche, die Andern wiederzur Ergreifung schärferer Maßregeln wider die Volkswün-sche und wider Alles zu reizen, was Ansehen und Einflußder bevorrechteten Stände zu schmälern drohte. Den Ab-sichten Beider galt jede Verirrung eines oder einiger Allzu-begeisterten, oder auck schon ein bloßes Lieb voller Frevel,statt vollwichtigen Beweises.