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Anthologie aus den Werken von Ernst Schulze
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72 .

Doch wenn der Lenz mit seinem Wehn und Wallen,Mit seiner Lust durch Erd' und Himmel dringt,

Wenn weit umher das Lied der.Nachtigallen,

Der Biene Flug, der Quelle Rieseln klingt.

Wenn Blüthen rings entkeimen, blühn und fallen,

Und jede Nacht den reichen Schmuck verjüngt,

Dann fühlt auch sie in ihrer dichten HülleDer Hoffnung Lust, des Lebens sel'ge Fülle.

73 .

Doch nicht, wie rings bei'm ersten lauen BebenDer Maienluft aus ihrer Knospe GrünWoll Ungeduld die andern Blumen strebenUnd früher zwar, doch kurz und dürftig blühn.Verschwendet sie in rascher Lust das Leben,

Und knospet lang, um herrlicher zu glühn;

Still ruht, genährt von Hoffnung und Verlangen,Der reiche Schatz in ihrer Brust gefangen.

74 :

Doch wenn gemach die Hüllen sich entfalten,Und sich mit Gold des Busens Liese füllt,

Blickt Heller stets Lurch seines Kerkers SpaltenMit frischer Lust das holdverschämte Bild,

Und freut sich still der wechselnden Gestalten,

Die bunt umher die neue Welt enthüllt;

Ihr srüh'ster Duft, des Athems erstes WebenIst Liebe schon und wähnt, er sey nur Leben.